Lost (and found) in translation: Effektive Kommunikation mit Patient*innen

Von Zuzana Dankulincova, Pavol Jozef Safarik Universität, Slowakei

Die meisten Wissenschaftler*innen sind sich zwar bewusst, dass die Verbreitung von Studienergebnissen Teil ihrer ethischen Verantwortung gegenüber den Studienteilnehmer*innen ist (und wünschen sich, dass ihre Forschungsergebnisse klare, praktische Implikationen haben), doch kann der Übergang von der Kenntnis der Ergebnisse zur breiten Anwendung lange dauern. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden nicht immer in der täglichen Praxis angewandt; und wenn doch, dann geschieht dies in der Regel nicht konsequent oder systematisch.

Warum ist das so? Die schiere Anzahl von Studien, Interventionen und Empfehlungen, die es zu beachten gilt, kann für Gesundheitsdienstleistende überwältigend sein. Überlegen Sie sich bei der Durchsicht von Erkenntnissen und Empfehlungen, wie relevant die Erkenntnisse für Ihren lokalen Kontext sind. Ist der, in den Empfehlungen der Studien beschriebene, Kontext mit dem Ihren vergleichbar? Verfügen Sie über alle notwendigen Mittel, um die Empfehlungen umzusetzen, oder fehlt es Ihnen an erforderlichen Ressourcen und Fähigkeiten? Haben Ihre Patient*innen was sie zur Umsetzung der Empfehlungen benötigen? Selbst die am besten konzipierte und vielversprechendste Intervention wird nicht wirksam sein, wenn sie nicht zu Ihren Patient*innen und Ihrem Umfeld “passt”. Zum Beispiel könnte es problematisch sein, Patient*innen ohne Smartphone beziehungsweise ohne Computer oder mit geringen digitalen Kenntnissen eine E-health Intervention zu empfehlen.

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​​Make or break: the importance of breaks in healthcare

By Julia Allan, Aberdeen University, Scotland

Modern life is hectic. We live in an increasingly ‘switched on’ digital world where periods of true respite from work are rare. Many people regularly work for lengthy periods and this is particularly the case for health professionals working in frontline healthcare services. In the healthcare context, working hours and demands are typically high, shifts routinely exceed the 8 hours of a ‘normal’ working day, and work demands can be relentless in nature. If a continuous series of patients require urgent care, health professionals are obligated to provide it, regardless of how busy they have been, or how long they have been working. As a result of these high demands, missed breaks are extremely common in healthcare settings – for example, it is reported that  1 in 10 nurses never take a proper break and 1 in 3 rarely or never take meal breaks during shifts.

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Die Verbindung zwischen dem Elefanten und seinem Reiter: Die Rolle der Motivation

Langfristige Motivation für gesundheitsbezogene Verhaltensweisen kann aus verschiedenen Quellen stammen. Verhaltenswissenschaftler versuchen immer noch herauszufinden, wie diese Quellen zusammenpassen. Ich gehe zum Beispiel fast jeden Tag laufen, und das schon seit über 30 Jahren. Wie und warum habe ich dieses Verhaltensmuster aufrechterhalten?

Daniel Kahnemann würde darauf hinweisen, dass zwei motivationale Systeme im Spiel sind: ein System 1, geleitet von Instinkten und Emotionen, und ein System 2, das abwägend und bewusst ist. Er würde argumentieren, dass System 2 mich zum Laufen veranlasst, weil ich mir der gesundheitlichen Vorteile von Bewegung bewusst bin. Andererseits würde Ed Deci sagen, dass ich intrinsisch motiviert bin und laufe, weil es mit meinen Werten und meinem Selbst übereinstimmt und weil es mir Spaß macht.

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Ihre Intervention, Ihr Weg! Kurzinterventionen zur Änderung von Bewertungen

von Katarzyna Cantarero, SWPS University, Polen

Subjektives Wohlbefinden wird bestimmt durch Umstände, mit denen wir geboren werden, durch Situationen, die uns im Verlauf unseres Lebens widerfahren und, (glücklicherweise!) dadurch, wie wir absichtlich handeln. Viele Forscher*innen haben untersucht, was unser psychologisches Befinden effektiv verbessern kann. Kurze Interventionen zur Änderung von Bewertungen (oder positiven Affirmationen) können ein hilfreiches Werkzeug sein um das Wohlergehen von Personen zu steigern.

Die Forschung zeigt, dass kurze Schreibaufgaben (z.B. Dankbarkeits-Listen oder -Briefe) das psychologische Wohlbefinden verbessern können. Zudem zeigte eine große Studie von Forscher*innen aus 87 Ländern, dass einfache Bewertungs-Interventionen (d.h. solche die darauf abzielen zu verändern, wie sich jemand bzgl. einer bestimmten Situation fühlt oder die dazu anregen, sich auf die positiven Aspekte einer Situation zu fokussieren) zu mehr positiven Emotionen während der COVID-19 Pandemie beitragen konnten. Die Umbewertung von potenziell stressreichen Ereignissen kann hilfreich dabei sein, einen Vorteil aus diesen Ereignisse zu ziehen. Während dieser Bewertungsaufgaben denken die Teilnehmenden über Argumente für die positiven Seiten der Situation nach, in der sie sich befinden

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Beratung außerhalb der Klinik: Das vielversprechende Potenzial mobiler Technologien

Egon Dejonckheere & Peter Kuppens, KU Leuven, Belgien.

Viele Formen der Beratung und Psychotherapie finden immer noch überwiegend im Therapieraum statt. Doch wenn die Patient*innen den Therapieraum verlassen, fällt es ihnen manchmal schwer, sich ihren Herausforderungen zu stellen, Chancen zur Besserung zu ergreifen und das in der Sitzung Gelernte umzusetzen. Es ist erwiesen, dass die therapeutische Praxis sehr davon profitieren kann, wenn sie direkten Zugang zu Informationen darüber hat, was im täglichen Leben der Menschen vor sich geht. Solche Informationen können Interventionsmöglichkeiten aufzeigen und die Lücke zwischen den Beratungssitzungen und dem wirklichen Leben wirksam schließen.

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Patient*innen helfen, ihre Krankheit zu bewältigen: Die Bedeutung subjektiver Krankheitskonzepte

Von Yael Benyamini, Tel Aviv University, Israel und Evangelos C. Karademas, University of Crete, Greece

Anna und Marie sind beide gesund, 45 Jahre alt und leben in einer großen europäischen Stadt. Beide kennen mehrere Personen, welche an COVID-19 erkrankt sind, und beide hören und lesen immer wieder neue Nachrichten über COVID-19. Anna glaubt, dass COVID-19 eine sehr ernsthafte Erkrankung ist. Obwohl sie überzeugt ist, dass sie sich aufgrund ihres relativ jungen Alters von der Krankheit erholen würde, fürchtet sie langfristig anhaltende unangenehme Folgen einer Erkrankung. Daher arbeitet sie so viel wie möglich von Zuhause aus, verlässt das Haus niemals ohne eine Maske und wartet auf die nächste Impfdosis.

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Wie neue Erkenntnisse über Stress helfen können, das besorgte Gemüt zu beruhigen

Bart Verkuil, Department of Clinical Psychology, Leiden Universität, The Netherlands and PEP Group, Noordwijk, Niederlanden

“Was ist, wenn ich mich infiziere und im Krankenhaus lande?” “Was ist, wenn ich in ein paar Monaten meine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann?” “Welche Auswirkung wird dieser Lockdown auf die Gesundheit meiner Kinder haben?”

Die Bedrohung durch das Coronavirus hat einen enormen Einfluss auf die meisten unserer Lebensbereiche. Um festzustellen, welche Massnahmen ergriffen werden müssen und um abzuschätzen, welchen Risiken wir ausgesetzt sind, verwenden Wissenschaftler*innen statistische Modelle zur Vorhersage der Virusausbreitung. Dies hilft sicherlich, um eine gewisse Kontrolle über diese Pandemie zu erlangen. Interessanterweise handeln wir als einzelne Menschen ständig wie diese Wissenschaftler*innen, allerdings auf eine automatisiertere Art und Weise; unser menschlicher Verstand kann als “Vorhersagemaschine” betrachtet werden, die ständig abschätzt, ob wir gerade Gefahr laufen infiziert zu werden, unseren Arbeitsplatz zu verlieren oder kritisiert zu werden. Allerdings gibt es grosse Unterschiede, wie Menschen diese Risiken einschätzen und für manche Menschen steigern sich diese Einschätzungen zu intensiven Sorgen.

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Wenn Medizin ein Teamspiel ist, sollten Patient*innen auch mitspielen: Eine psychologische Perspektive auf das Engagement von Patient*innen

Von G. Graffigna, Universität Cattolica del Sacro Cuore, Italien

Damit Gesundheitssysteme effektiv funktionieren, müssen die medizinischen Fachkräfte entlang des gesamten Versorgungswegs zusammenarbeiten und ihre Bemühungen koordinieren. Mit anderen Worten; Medizin erfordert Teamarbeit, um erfolgreich zu sein. Wenn wir uns auf dieses Prinzip einigen, dann sollte – bei Nutzung einer Sportmetapher – auch die/der Patient*in als eine/ein Mitspieler*in im Team betrachtet werden!

Das Konzept des Patientenengagements erkennt dies an und ist ein wichtiger Bestandteil zur Verbesserung der Effektivität und Nachhaltigkeit der Gesundheitsversorgung.

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Wie man Patient*innen dabei unterstützt, Gewicht zu verlieren und ihren Diabetes Typ 2 besser zu kontrollieren

Leah Avery – Teesside Universität, Vereinigtes Königreich

Diabetes Typ 2 wurde früher als eine fortschreitende Erkrankung angesehen, die unweigerlich eine Insulintherapie erfordert. Die Forschung zur Änderung des Lebensstils stellt diese pessimistische Prognose jedoch infrage. Während die Prävalenz von Diabetes Typ 2 weiter zunimmt, gibt es auch immer mehr Belege für die wichtige Rolle der Ernährung und der Änderung unserer Essgewohnheiten, um die Krankheit erfolgreich zu bewältigen.

Ernährungsorientierte Ansätze können weitgehend in zwei Ansätze unterteilt werden. Diejenigen, die sich darauf konzentrieren, was wir essen (z.B. Kohlenhydrate), um den Stoffwechsel und die glykämische Kontrolle (d.h. Blutzuckerkontrolle) durch langsamen und stetigen Gewichtsverlust zu optimieren. Und andere, die sich auf die gegessene Menge konzentrieren, wie z.B. die kalorienarme Ernährung, die eine erhebliche Energieeinschränkung für eine schnelle Gewichtsabnahme beinhaltet.

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Vermittlung von Gesprächstechniken an Fachkräfte – das Healthy Conversation Skills Programm

Von Wendy Lawrence, Universität Southampton

In der heutigen Gesellschaft werden die Hauptursachen für Tod und Krankheit massgeblich durch unseren Lebensstil beeinflusst und es gibt einen wachsenden Fokus darauf, wie Gesundheitsverhalten verbessert werden kann. Fachkräfte an der Front, insbesondere diejenigen, die im Gesundheits-, Sozial- und Gemeinschaftswesen arbeiten, sind eine sehr wichtige Ressource für die Unterstützung von Verhaltensänderungen. Routinetermine in der Vorsorge bieten eine gute Möglichkeit, Gespräche über Verhaltensänderungen zu initiieren. Viele Fachkräfte haben aber das Gefühl, dass ihnen das Wissen und die Fähigkeiten fehlen, die für die Unterstützung von Verhaltensänderungen notwendig sind. Dies kann das Selbstvertrauen verringern, in Gesprächen mit Klient*innen oder Patient*innen über potenziell sensible Themen wie Rauchen, Gewichtsabnahme oder Alkoholkonsum sprechen zu können.

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