N-of-1 Studien: Was können wir aus der Untersuchung eines einzelnen Falles lernen?

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Von Marie Johnston und Derek Johnston, Universität Aberdeen, Schottland

Praktizierende wollen häufig die Antwort auf ein Problem, das eine Person, ein Gesundheitsteam, ein Krankenhaus oder eine Region etc. betrifft. Zum Beispiel kann es wichtig sein zu wissen, wie oft ein fettleibiger Mann einen Snack einnimmt, wann und wo er einen Snack einnimmt und ob Stress es verschlimmert. Oder Sie möchten herausfinden, wie oft Mitglieder eines Gesundheitsteams die Handhygiene unterlassen, ob es schlimmer ist, wenn sie unterbesetzt sind und ob Werbung auf der Station sie verbessert. Oder Sie möchten Quellen klinischer Fehler untersuchen, um zu prüfen, ob sie auf einigen Stationen oder für bestimmte Dienstgrade der Mitarbeitenden häufiger auftreten. Oder auf politischer Ebene könnte es sinnvoll sein zu untersuchen, ob eine neue Verordnung, wie beispielsweise ein Rauchverbot an öffentlichen Orten, die Raucherquote beeinflusst hat.

Sie könnten versuchen diese Fragen zu beantworten, indem Sie Personen befragen, was sie denken oder an was sie sich erinnern. Jedoch wäre es besser zu den kritischen Zeitpunkten und an den kritischen Orten zu befragen oder zu beobachten, um Probleme der Verzerrung und des Vergessens zu vermeiden. Neueste technologische Fortschritte wie die digitale Überwachung mit Smartphones erleichtern es, das Geschehen in Echtzeit zu verfolgen und eine n-of-1 Studie könnte es Ihnen ermöglichen, Ihre Frage zu beantworten.

N-of-1 Studien sind möglich, wenn das Problem wiederholt beurteilt werden kann, um Veränderungen über die Zeit zu betrachten. Dann kann man das Problem beschreiben und prüfen, ob es unter bestimmten Bedingungen besser oder schlechter ist. Oder man kann eine neue Intervention oder Behandlung einleiten und beurteilen, ob sie die erwartete Wirkung hat.

Die einfachste Auswertung der gesammelten Daten ist die Beobachtung von Trends in einem Diagramm wie in den untenstehenden Abbildungen. Dies ist ein wesentlicher Schritt in jeder n-of-1 Analyse und kann ausreichend sein. Zusätzlich gibt es Methoden der statistischen Analyse für n-of-1 Studien. Komplexere Methoden werden weiter entwickelt (z.B. Methoden zur Erfassung von dynamischen Veränderungen).

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Körperliche Aktivität im höheren Alter: Wie viel ist genug?

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von Anne Tiedemann, The University of Sydney, Australien

“Mangelnde Aktivität zerstört den guten Zustand jedes Menschen, während Bewegung und methodische körperliche Aktivität ihn retten und bewahren”… Plato, 400 v.Chr.

Seit langem ist bekannt, dass regelmässige körperliche Aktivität wichtig für unsere Gesundheit und das Wohlbefinden ist. Die Gesundheitsförderung richtet sich aber oft nur an Kinder und junge Personen, wobei die Wichtigkeit der körperlichen Aktivität bei Personen über 65 Jahren weniger im Fokus ist. Das hohe Alter ist jedoch eine entscheidende Zeit, um Aktivität in den Alltag zu integrieren. 

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Gewicht in einer ärztlichen Konsultation ansprechen

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Von Jane Ogden, University of Surrey, UK

Das Gewicht in einer ärztlichen Konsultation anzusprechen ist ein heikles Thema. Einige Patienten oder Patientinnen können die Worte “Sie könnten ein bisschen Gewicht verlieren” bei jedem Arztbesuch nicht mehr hören, unabhängig davon, ob sie wegen Halsschmerzen, einem Gebärmutterhalsabstrich oder einem möglichen Herzproblem gekommen sind. Sie haben sich vielleicht ein Leben lang von Ärzten und Ärztinnen stigmatisiert gefühlt  und denken, dass das Einzige was alle immer sehen ihre Körpergrösse ist. Während dies bei einigen Personen so ist, haben andere ihr Gewicht vielleicht nie als ein Problem betrachtet und könnten darum beleidigt oder überrascht sein, wenn sie darauf angesprochen werden. Einige Personen wollen vielleicht die Botschaft einfach nicht hören und das Gesagte blockieren, indem sie zum Beispiel denken: “Was weisst du schon – du bist dünn / fett / zu jung / zu alt” oder “Wissenschaft ist immer falsch”.  Es erfordert daher ein sorgfältiges Abwägen von “wann”, “wie” und “was” zu einer übergewichtigen Person gesagt wird.

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Selbstwirksamkeit: Der “ich kann es”-Glaube, der Personen ihre Lebensweise verändern lässt

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By Ralf Schwarzer, Freie Universität Berlin, Germany and SWPS University of Social Sciences and Humanities, Poland

Changing behavior may often be desirable but difficult to do. For example, quitting smoking, eating healthily and sticking to a physical exercise regimen all require motivation, effort, and persistence. While many psychological factors play a role in behavior change, self-efficacy is one of the most important.

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Geschichten erzählen über die Betreuung anderer

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Von Irina Todorova, Health Psychology Research Center in Sofia, Bulgarien

 

Die Betreuung älter werdenden Angehörigen, die sich vielleicht in gebrechlicher Verfassung befinden, kann eine komplizierte und verwirrende Erfahrung sein, die sowohl erfreulich als auch frustrierend sein kann. Die medizinische Wissenschaft hilft den Menschen, länger und gesünder zu leben und kann in einigen Fällen den kognitiven Rückgang, der häufig mit dem Alter auftritt, verlangsamen. Die Art und Weise, wie Familien ihre älteren Angehörigen pflegen, sowie die Bedeutung von Altern, Demenz und Pflege variiert je nach kulturellem Kontext. Die meisten Menschen altern zu Hause als Mitglieder ihrer Gemeinschaften, was sowohl für die älteren Menschen als auch für die verschiedenen Generationen von Familienmitgliedern psychosoziale Vorteile hat. Gleichzeitig geht die Pflege von Menschen mit abnehmender Gesundheit mit körperlicher Anstrengung, psychischer Belastung, Trauer über anhaltende Verluste und möglicherweise finanziellen Schwierigkeiten für die Betreuungsperson einher.

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Motivation und die ersten Schritte in Richtung körperliche Aktivität

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Von Keegan Knittle, University of Helsinki, Finnland

Folgend  eine gängige Geschichte aus der Grundversorgung: Eine Person, die eindeutig von mehr körperlicher Aktivität profitieren würde, kommt in die Klinik. Wir besprechen ihre körperliche (In)Aktivität und am Ende sagt die Person, dass sie einfach nicht motiviert ist, sich zu ändern. Was soll der Arzt/die Ärztin nun tun? Wie können wir diese Person motivieren, zumindest in Betracht zu ziehen, ihr Verhalten zum Besseren zu ändern? Oder noch besser, wie können wir ihnen helfen, gute Absichten zu entwickeln, aktiv zu sein?

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Interventionen der Positiven Psychologie bei der Arbeit

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Von Alexandra Michel, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Deutschland and Annekatrin Hoppe, Humboldt Universität zu Berlin, Deutschland

Angestellte Personen verbringen einen Großteil ihrer Wachzeit bei der Arbeit. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Reduzierung der Anforderungen und die Erhöhung der Ressourcen (z.B. Autonomie, soziale Unterstützung, Selbstwirksamkeit) am Arbeitsplatz wichtig sind, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Wohlbefinden und Gesundheit der Angestellten zu fördern. In den letzten Jahren hat die Forschung nicht nur Möglichkeiten zur Behebung der negativen Folgen von Arbeitsstress untersucht, sondern auch Möglichkeiten zur Förderung von Ressourcen zur Verbesserung des Wohlbefindens der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz. Insbesondere die Einführung positiver psychologischer Interventionen am Arbeitsplatz ist ein neuer Weg in der Arbeits- und Organisationspsychologie. Positive psychologische Interventionen konzentrieren sich auf den Aufbau von Ressourcen und die Vermeidung von Ressourcenverlust und umfassen Aktivitäten, die darauf abzielen, positive Gefühle, Verhaltensweisen und Kognitionen zu kultivieren. In diesem Blogbeitrag stellen wir drei Ansätze vor, die den Angestellten helfen können, ihre Ressourcen aufzubauen und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu fördern.

  1. Wie kann ich mehr positive Aspekte meiner Arbeit sehen, erleben und schätzen?

Kognitive Strategien wie optimistisches Denken und das Schätzen positiver Erfahrungen am Arbeitsplatz können Angestellten helfen, positive Emotionen zu erzeugen und sich besser zu fühlen. In unserer Interventionsstudie haben wir Pfleger und Pflegerinnen gebeten, über ein positives und bedeutungsvolles Ereignis nachzudenken, das sie bei der Arbeit erlebt haben. Dies kann eine positive Interaktion mit Patienten und Patientinnnen, ein nettes Gespräch mit einem Kollegen oder einer Kollegin oder ein Behandlungserfolg sein. Wir baten die Pfleger und Pflegerinnen, über dieses positive Ereignis nachzudenken und ihre positiven Erfahrungen zu genießen. Diese fünfminütige, audiounterstützte Übung wurde an zehn aufeinanderfolgenden Arbeitstagen wiederholt. Nach dem Interventionszeitraum hatten die Pfleger und Pflegerinnen in der Interventionsgruppe ein geringeres Maß an Müdigkeit und emotionaler Erschöpfung als die Pfleger und Pflegerinnen in der Kontrollgruppe. Vor allem Pflegekräfte mit hohem Erholungsbedarf, wie z.B. Energiemangel, profitierten von der positiven Denkweise.

  1. Wie kann ich während der Arbeit neue Energie gewinnen? Der Vorteil von Ruhepausen

Arbeitsanforderungen können die Energie der Angestellten belasten und zu geringerem Arbeitsengagement sowie zu Erschöpfung und Müdigkeit führen. Eine kurze Pause von der Arbeit ermöglicht es den Angestellten, ihre Aufmerksamkeit vorübergehend von den Arbeitsaufgaben abzuwenden, um neue Energie zu erhalten und aufzubauen. Wir haben zwei Kurzpausenaktivitäten entwickelt: Eine simulierte genussvolle Naturaktivität (z.B. das Hören von Naturgeräuschen wie Vogelgesang oder Wellen); und eine progressive Muskelentspannungsaktivität. Wir klassifizieren eine solch kurze Pause “als Mikrointervention”, die am Arbeitsplatz durchgeführt werden kann und die den Angestellten eine Pause von der Arbeit gibt, während die Aufmerksamkeit von den Arbeitsaufgaben ablenkt ist. In unserer Studie wurden die Angestellten zufällig entweder der Gruppe „genießerische Natur“ oder der Gruppe „progressive Muskelentspannung“ zugeordnet. Die Ergebnisse zeigen, dass diese beiden kurzen täglichen Ruhepausen, die leicht in den Arbeitsalltag eingeführt werden können, die Kraft der Angestellten erhöhen und ihre Müdigkeit über einen Zeitraum von zehn Arbeitstagen verringern.

  1. Wie kann ich von der Arbeit abschalten und eine gute Balance zwischen Berufs- und Privatleben finden?

Angestellte, die in ihrer Freizeit an arbeitsbezogene Themen denken und sich emotional damit beschäftigen, haben es oft schwer, sich von der Arbeit zu lösen oder geistig abzuschalten. Dies kann zu einer verminderten Work-Life-Balance führen. In Anlehnung an die Boundary-Theorie haben wir eine Intervention konzipiert, die es Angestellten ermöglicht, ihren individuellen Weg zu finden, beide Lebensbereiche zu integrieren oder zu trennen. Unsere Online-Intervention lehrt Achtsamkeit als kognitiv-emotionale Trennungsstrategie. Achtsamkeit beschreibt einen Zustand, in dem man sich den aktuellen Erfahrungen unvoreingenommen bewusst ist. In unserer Intervention reflektierten die Angestellten ihre Segmentierungsstrategien (d.h. Strategien, die Arbeit und Privatleben voneinander trennen sollen) und lernten achtsame Atemübungen, die ihnen helfen, sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren und unerwünschte arbeitsbezogene Erkenntnisse und Gefühle loszulassen. So konnten sich die Angestellten auf eine Tätigkeit in einem bestimmten Lebensbereich konzentrieren (z.B. Spielen mit Kindern zu Hause) und arbeitsbezogene Sorgen oder Bedenken vergessen. Unsere Studienergebnisse zeigen, dass die Angestellten der Interventionsgruppe im Vergleich zu einer Kontrollgruppe weniger emotionale Erschöpfung, negative Auswirkungen und belastungsbedingte Konflikte zwischen Familie und Beruf sowie mehr psychologische Distanz und Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance hatten.

Fazit

Interventionen zu positiver Arbeitsreflexion, Erholungspausen und Aufteilung von Lebensbereichen können den Angestellten helfen, Ressourcen aufzubauen und ihr Wohlbefinden zu verbessern. Für Unternehmen und deren Angestellte sehen wir die folgenden Vorteile: Diese Interventionsaktivitäten können in kurzen Pausen leicht in den Arbeitsalltag integriert oder abends in der Freizeit durchgeführt werden. Sie können berufsübergreifend eingesetzt und über Online-Plattformen, Smartphone-Apps oder auf Papier bereitgestellt werden. Unternehmen und Mitarbeitende müssen sich bewusst sein, dass vor allem bedürftige Mitarbeitende (z.B. hohe Arbeitsbelastung, emotional anspruchsvolle Arbeitsaufgaben) von diesen Maßnahmen profitieren und dass die langfristigen Auswirkungen dieser Maßnahmen noch nicht bekannt sind. Schließlich sind diese individuellen Maßnahmen nicht unbedingt ein Ersatz für umfassendere Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung (z.B. Arbeitsentlastung, Teambuilding-Workshops, Führungstrainings), die darauf abzielen, die Arbeitsbedingungen ganzheitlich zu verbessern.

Praktische Empfehlungen

  • Denken Sie in Ihrer Mittagspause oder am Ende des Arbeitstages an etwas, das bei der Arbeit gut gelaufen ist. Zum Beispiel: ein nettes Gespräch mit einem Kollegen/einer Kollegin, eine erfolgreiche Präsentation, eine Aufgabe, die Ihnen Spaß gemacht hat.
  • Planen Sie kurze Pausen während Ihres Arbeitstages ein – zum Loslassen und Energie aufladen. Benutzen Sie diese zum Entspannen, Meditieren oder Spazierengehen.
  • Versuchen Sie, nach der Arbeit abzuschalten. Kleine achtsame Atemübungen können Ihnen helfen, sich auf aktuelle Erfahrungen zu konzentrieren und unerwünschte Gedanken und Emotionen loszulassen.

[übersetzt von Dr. phil. Janina Lüscher und Laila Susin]

Patientengespräch: Was der Arzt/die Ärztin offensichtlich sagt und der Pati-ent/die Patientin offensichtlich missversteht

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Von Anne Marie Plass, University Medical Center of Göttingen, Germany

Vor einiger Zeit hat sich eine Dermatologin und Spezialistin für Psoriasis (eine chronische Hautkrankheit) des Universitätsspitals bei mir darüber beklagt, dass viele ihrer Patienten und Patientinnen die Therapie nicht befolgen, obwohl ein gemeinsames Ziel gesetzt und eine gemeinsame Entscheidung getroffen wurde.

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Was geschieht mit den Medikamenten zu hause?

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Von Kerry Chamberlain, Massey University, Auckland, New Zealand

Was machen Personen mit den Medikamenten, wenn sie ihr Zuhause betreten? Überraschenderweise gibt es nur limitierte Forschung, die diese Fragestellung zu beantworten versuchte. Sie ist jedoch sehr wichtig, denn die meisten Medikamente werden zu Hause nur unter der Kontrolle des Konsumenten oder der Konsumentin eingenommen. Verschreibungspflichtige Medikamente sind zwar reguliert, aber sobald sie verschrieben und abgeholt wurden, gelten sie als, wie vorgeschrieben, eingenommen. Personen können zudem eine breite Palette von rezeptfreien Medikamenten (z.B. zur Schmerzlinderung), von alternativen Medikamenten (z.B. homöopathische Präparate) und anderen gesundheitsbezogenen Präparaten, die weniger offensichtlich sind (z.B. Nahrungsergänzungsmittel, probiotische Getränke), nutzen. Es sollte beachtet werden, dass der Zugang zu allen Formen von Medikamenten von Land zu Land sehr unterschiedlich sein kann.

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Wie setzt man Ziele, die funktionieren?

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Von Tracy Epton, Universität von Manchester, Vereinigtes Königreich

 

Zielsetzung ist eine beliebte Technik

 

Es gibt viele verschiedene Techniken, die verwendet werden können, um das Verhalten zu verändern (93 gemäß einer kürzlich erschienen Liste!). Zielsetzung ist eine bekannte Technik, welche von den meisten Menschen schon einmal benutzt wurde. Zielsetzung wird von Wohltätigkeitsorganisationen verwendet (z.B. von Alcohol Concern, einer britischen Wohltätigkeitsorganisation, die Menschen aufgefordert hat, sich das Ziel zu setzen, während des Monats Januar mit dem Trinken aufzuhören), als Teil kommerzieller Gewichtsverlustprogramme und sogar in Fitness-Apps. In einem kürzlich durchgeführten Review wurden 384 Tests zur Effektivität der Zielsetzung in verschiedenen Bereichen durchgeführt, um festzustellen, ob die Zielsetzung wirklich funktioniert, welche Zieltypen am besten funktionieren und ob die Zielsetzung für alle funktioniert.

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