Selbstwirksamkeit: Der “ich kann es”-Glaube, der Personen ihre Lebensweise verändern lässt

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Von Ralf Schwarzer, Freie Universität Berlin, Deutschland und SWPS University of Social Sciences and Humanities, Polen

Verhaltensänderungen sind oft wünschenswert, aber schwierig auszuführen. Wenn man zum Beispiel mit dem Rauchen aufhört, sich gesund ernährt und sich an ein körperliches Trainingsprogramm hält, braucht man Motivation, Anstrengung und Ausdauer. Während viele psychologische Faktoren eine Rolle bei der Verhaltensänderung spielen, ist die Selbstwirksamkeit einer der wichtigsten. 

Was ist Selbstwirksamkeit und was macht sie?

Haben Sie es jemals schwierig gefunden, beim Essen auf Alkohol zu verzichten? Obwohl Sie vielleicht glauben, dass das Nicht-Trinken das Richtige ist, können Sie es schwierig finden, es zu kontrollieren. Dieses Schwierigkeitsgefühl deutet auf eine geringe Selbstwirksamkeit hin, auf Alkohol zu verzichten. Selbstwirksamkeit ist das Mass an persönlicher Kontrolle, das wir über ein Verhalten in schwierigen Situationen erwarten zu haben. Es ist ein optimistischer Glaube an unsere eigene Fähigkeit, neue oder anspruchsvolle Herausforderungen anzunehmen. Wenn wir fest davon überzeugt sind, dass wir eine bevorstehende Aufgabe meistern können (d.h. eine hohe Selbstwirksamkeit haben), dann werden wir wahrscheinlich darauf hinarbeiten. Wenn wir uns sicher sind, dass wir eine bevorstehende Bedrohung oder Herausforderung (z.B. eine Prüfung) meistern können, dann kommen wir dieser Bedrohung eher näher als diese zu vermeiden. Im Gegenteil, wenn wir Selbstzweifel haben (d.h. geringe Selbstwirksamkeit), könnten wir zögern zu handeln. So leitet die Selbstwirksamkeit Verhaltensänderungen und unterstützt das optimale Funktionieren.

Was sagt uns die Forschung zur Gesundheitsverhaltensänderung? 

Reviews deuten darauf hin, dass eine hohe Selbstwirksamkeit das Engagement für eine Vielzahl wichtiger Gesundheitsverhaltensweisen voraussagt, darunter die Rauchentwöhnung, Gewichtskontrolle, Verhütung, Alkoholmissbrauch, Obst- und Gemüsekonsum, Gebrauch von Zahnseide und Bewegungsverhalten. Darüber hinaus zeigen Interventionsstudien, dass eine zunehmende Selbstwirksamkeit zu einer Verbesserung des Verhaltens führt (z.B. Ernährungsverhalten und körperliche Aktivität). Zusammengenommen deuten diese Befunde darauf hin, dass der Einzelne ein gewisses Mass an Selbstwirksamkeit benötigt, um wichtige Gesundheitsverhaltensweisen zu übernehmen und gewünschte Ergebnisse (z.B. Gewichtsabnahme) zu erzielen. 

Da die Selbstwirksamkeit eindeutig wichtig ist, um Personen zu Verhaltensänderungen zu führen, bleiben zwei Schlüsselfragen offen: Woher wissen wir, ob jemand eine hohe oder geringe Selbstwirksamkeit hat? Und was können wir tun, um die Selbstwirksamkeit zu erhöhen, wenn sie gering ist?

Wie können wir den Umfang der Selbstwirksamkeit einschätzen? 

Der häufigste Weg ist, Personen zu bitten, bestimmten Aussagen einzuschätzen. Folgend ein Vorschlag für die verhaltensspezifische Beurteilung der Selbstwirksamkeit: “Ich bin zuversichtlich, dass ich es kann … (eine Aktion ausführen), auch wenn … (eine Barriere).” Ein Beispiel für eine Selbstwirksamkeitserklärung ist: “Ich bin zuversichtlich, dass ich Desserts ignorieren kann, auch wenn meine Familie diese weiterhin isst.”

Für die Messung aller Arten von Gesundheitsverhalten wurden Selbstwirksamkeitsskalen entwickelt. Einige kurze Skalen zur Beurteilung der Selbstwirksamkeit bei Ernährung, Bewegung, Sonnenschutz, Benutzung von Zahnseide, Handhygiene und Alkoholkonsum finden Sie hier und hier. Bei der Beurteilung der Selbstwirksamkeit ist es wichtig zu beachten, dass eine geringe Selbstwirksamkeit für ein Verhalten nicht eine geringe Selbstwirksamkeit für ein anderes Verhalten bedeutet. Die Selbstwirksamkeit sollte daher in Bezug auf ein bestimmtes Verhalten beurteilt werden. 

Wie können wir die Selbstwirksamkeit erhöhen?

Die meisten Interventionen zur Verbesserung der Selbstwirksamkeit beziehen sich auf vier Informationsquellen, die eine Hierarchie bilden. Erstens – auf der Spitze dieser Hierarchie – können Überzeugungen der Selbstwirksamkeit durch persönliche Leistung verbessert werden. Um solche „Mastery“ Erfahrungen zu fördern, können Sie Klienten und Klientinnen anleiten, kleine Schritte zu machen, die mit grosser Wahrscheinlichkeit erfolgreich durchgeführt werden können. Sie können dann positives Feedback geben, um diese „Mastery“ Erfahrung zu verstärken und die Person zu ermutigen, auch nachfolgende, anspruchsvollere Schritte zu meistern. Solche gradierten Aufgaben können in klinischen Umgebungen wie in der Physiotherapie (z.B. gradueller Verlauf von Gleichgewichts- und Kraftübungen) oder in der kognitiven Verhaltenstherapie bei Phobien nützlich sein.  

Die zweite Quelle der Selbstwirksamkeit ist die stellvertretende Erfahrung oder die Beobachtung anderer. Wenn Personen erleben, wie andere Personen (die ihnen ähnlich sind) eine schwierige Situation erfolgreich meistern, können sozialer Vergleich und Nachahmung des Verhaltens die Überzeugungen der Selbstwirksamkeit stärken. Stellen Sie sich vor, Sie sind gerade dabei, das Rauchen aufzugeben, aber Ihr Partner oder Ihre Partnerin kann es aufgrund der geringen Selbstwirksamkeit nicht schaffen, aufzuhören. Versuchen Sie dann, die Selbstwirksamkeit Ihres Partners oder Ihrer Partnerin zu erhöhen, indem Sie kleine Schritte gehen, Ihre eigenen Barrieren und Bewältigungsversuche aufdecken. Zeigen Sie, wie Sie Heißhungerattacken überwinden, Ihre optimistischen Überzeugungen zum Ausdruck bringen, etc. Als selbstwirksames und sich selbst offenbarendes Bewältigungsmodell können Sie also einen Unterschied machen: Sie können die Selbstwirksamkeit in jemand anderem erhöhen, wenn Sie offen kommunizieren, wie Sie mit Verlangen umgehen und wie Sie eine Vielzahl von herausfordernden Situationen meistern, in denen Versuchungen überwältigend zu sein scheinen.

Drittens – und weniger stark – können Selbstwirksamkeitsüberzeugungen auch durch verbale Überzeugungen verändert werden. Zum Beispiel können Sie Ihren Klienten oder Ihren Klientinnen versichern, dass sie aufgrund ihrer Kompetenz und Planungsfähigkeit ein anspruchsvolles neues Ernährungsschema einhalten können. Oder Sie könnten der Person sagen, dass sie das Zeug dazu hat, mit allem, was sie sich vorgenommen hat, erfolgreich zu sein. Diese Art der Überzeugungsarbeit kann die Selbstwirksamkeit bei der erfolgreichen Bewältigung einer anstehenden Aufgabe stärken.

Die vierte Quelle – die Wahrnehmung und Interpretation der physiologischen Erregung – ist bei Interventionen im Gesundheitsverhalten weniger relevant. Allerdings könnte man diese Quelle der Selbstwirksamkeit gezielt nutzen, indem man die Klienten und Klientinnen auf potenzielle physiologische Beschwerden bei der Einleitung neuer Gesundheitsverhalten (starkes Verlangen beim Rauchen, Muskelschmerzen nach dem Sport usw.) vorbereitet, was dazu beitragen kann, frühe Rückfälle zu reduzieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Selbstwirksamkeit ist ein bedeutender und veränderlicher Glaube, der wichtig für die Initiierung und Aufrechterhaltung eines gesunden Verhaltens ist. Wenn die Selbstwirksamkeit gering ist, kann das Ergreifen von Maßnahmen zur Steigerung der Selbstwirksamkeit Menschen helfen, ihr Verhalten zu ändern.

Praktische Empfehlungen:

  • Schätzen Sie die Selbstwirksamkeit ein. Wenn Sie eine mögliche Änderung des Gesundheitsverhaltens mit einem Patienten/einer Patientin oder einem Kunden/einer Kundin besprechen, ermitteln Sie dessen Selbstwirksamkeit für eine mögliche Veränderung.  Dies kann mit Hilfe eines Fragebogens oder durch die Frage nach dem Vertrauen in die Umsetzung des neuen Verhaltens in bestimmten schwierigen Situationen geschehen.
  • Intervention zur Steigerung der Selbstwirksamkeit. Wenn eine Person eine geringe Selbstwirksamkeit hat, versuchen Sie, eine dieser Quellen der Selbstwirksamkeit mit Ihrer Verhaltensänderungsintervention anzusprechen:
    • Förderung von „Mastery“ Erfahrungen. Arbeiten Sie mit der Person zusammen, um ihr zu helfen, ihre Veränderungsbemühungen so zu strukturieren, dass sie mit dem neuen Verhalten schon früh und oft kleine Erfolge erzielen kann. 
    • Identifizieren Sie stellvertretende Erfahrungen. Verwenden Sie zugeschnittene Erfahrungsberichte oder helfen Sie der Person, Vorbilder (die ihnen ähnlich sind) zu identifizieren, die mit dem neuen Verhalten erfolgreich waren. 
    • Überzeugen. Lassen Sie die Person wissen, dass Sie an ihre Fähigkeiten glauben und dass sie alles Notwendige besitzt, um sich zu verändern. 

[übersetzt von Dr. Janina Lüscher & Laila Susin]

Geschichten erzählen über die Betreuung anderer

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Von Irina Todorova, Health Psychology Research Center in Sofia, Bulgarien

 

Die Betreuung älter werdenden Angehörigen, die sich vielleicht in gebrechlicher Verfassung befinden, kann eine komplizierte und verwirrende Erfahrung sein, die sowohl erfreulich als auch frustrierend sein kann. Die medizinische Wissenschaft hilft den Menschen, länger und gesünder zu leben und kann in einigen Fällen den kognitiven Rückgang, der häufig mit dem Alter auftritt, verlangsamen. Die Art und Weise, wie Familien ihre älteren Angehörigen pflegen, sowie die Bedeutung von Altern, Demenz und Pflege variiert je nach kulturellem Kontext. Die meisten Menschen altern zu Hause als Mitglieder ihrer Gemeinschaften, was sowohl für die älteren Menschen als auch für die verschiedenen Generationen von Familienmitgliedern psychosoziale Vorteile hat. Gleichzeitig geht die Pflege von Menschen mit abnehmender Gesundheit mit körperlicher Anstrengung, psychischer Belastung, Trauer über anhaltende Verluste und möglicherweise finanziellen Schwierigkeiten für die Betreuungsperson einher.

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Motivation und die ersten Schritte in Richtung körperliche Aktivität

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Von Keegan Knittle, University of Helsinki, Finnland

Folgend  eine gängige Geschichte aus der Grundversorgung: Eine Person, die eindeutig von mehr körperlicher Aktivität profitieren würde, kommt in die Klinik. Wir besprechen ihre körperliche (In)Aktivität und am Ende sagt die Person, dass sie einfach nicht motiviert ist, sich zu ändern. Was soll der Arzt/die Ärztin nun tun? Wie können wir diese Person motivieren, zumindest in Betracht zu ziehen, ihr Verhalten zum Besseren zu ändern? Oder noch besser, wie können wir ihnen helfen, gute Absichten zu entwickeln, aktiv zu sein?

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Interventionen der Positiven Psychologie bei der Arbeit

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Von Alexandra Michel, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Deutschland and Annekatrin Hoppe, Humboldt Universität zu Berlin, Deutschland

Angestellte Personen verbringen einen Großteil ihrer Wachzeit bei der Arbeit. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Reduzierung der Anforderungen und die Erhöhung der Ressourcen (z.B. Autonomie, soziale Unterstützung, Selbstwirksamkeit) am Arbeitsplatz wichtig sind, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Wohlbefinden und Gesundheit der Angestellten zu fördern. In den letzten Jahren hat die Forschung nicht nur Möglichkeiten zur Behebung der negativen Folgen von Arbeitsstress untersucht, sondern auch Möglichkeiten zur Förderung von Ressourcen zur Verbesserung des Wohlbefindens der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz. Insbesondere die Einführung positiver psychologischer Interventionen am Arbeitsplatz ist ein neuer Weg in der Arbeits- und Organisationspsychologie. Positive psychologische Interventionen konzentrieren sich auf den Aufbau von Ressourcen und die Vermeidung von Ressourcenverlust und umfassen Aktivitäten, die darauf abzielen, positive Gefühle, Verhaltensweisen und Kognitionen zu kultivieren. In diesem Blogbeitrag stellen wir drei Ansätze vor, die den Angestellten helfen können, ihre Ressourcen aufzubauen und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu fördern.

  1. Wie kann ich mehr positive Aspekte meiner Arbeit sehen, erleben und schätzen?

Kognitive Strategien wie optimistisches Denken und das Schätzen positiver Erfahrungen am Arbeitsplatz können Angestellten helfen, positive Emotionen zu erzeugen und sich besser zu fühlen. In unserer Interventionsstudie haben wir Pfleger und Pflegerinnen gebeten, über ein positives und bedeutungsvolles Ereignis nachzudenken, das sie bei der Arbeit erlebt haben. Dies kann eine positive Interaktion mit Patienten und Patientinnnen, ein nettes Gespräch mit einem Kollegen oder einer Kollegin oder ein Behandlungserfolg sein. Wir baten die Pfleger und Pflegerinnen, über dieses positive Ereignis nachzudenken und ihre positiven Erfahrungen zu genießen. Diese fünfminütige, audiounterstützte Übung wurde an zehn aufeinanderfolgenden Arbeitstagen wiederholt. Nach dem Interventionszeitraum hatten die Pfleger und Pflegerinnen in der Interventionsgruppe ein geringeres Maß an Müdigkeit und emotionaler Erschöpfung als die Pfleger und Pflegerinnen in der Kontrollgruppe. Vor allem Pflegekräfte mit hohem Erholungsbedarf, wie z.B. Energiemangel, profitierten von der positiven Denkweise.

  1. Wie kann ich während der Arbeit neue Energie gewinnen? Der Vorteil von Ruhepausen

Arbeitsanforderungen können die Energie der Angestellten belasten und zu geringerem Arbeitsengagement sowie zu Erschöpfung und Müdigkeit führen. Eine kurze Pause von der Arbeit ermöglicht es den Angestellten, ihre Aufmerksamkeit vorübergehend von den Arbeitsaufgaben abzuwenden, um neue Energie zu erhalten und aufzubauen. Wir haben zwei Kurzpausenaktivitäten entwickelt: Eine simulierte genussvolle Naturaktivität (z.B. das Hören von Naturgeräuschen wie Vogelgesang oder Wellen); und eine progressive Muskelentspannungsaktivität. Wir klassifizieren eine solch kurze Pause “als Mikrointervention”, die am Arbeitsplatz durchgeführt werden kann und die den Angestellten eine Pause von der Arbeit gibt, während die Aufmerksamkeit von den Arbeitsaufgaben ablenkt ist. In unserer Studie wurden die Angestellten zufällig entweder der Gruppe „genießerische Natur“ oder der Gruppe „progressive Muskelentspannung“ zugeordnet. Die Ergebnisse zeigen, dass diese beiden kurzen täglichen Ruhepausen, die leicht in den Arbeitsalltag eingeführt werden können, die Kraft der Angestellten erhöhen und ihre Müdigkeit über einen Zeitraum von zehn Arbeitstagen verringern.

  1. Wie kann ich von der Arbeit abschalten und eine gute Balance zwischen Berufs- und Privatleben finden?

Angestellte, die in ihrer Freizeit an arbeitsbezogene Themen denken und sich emotional damit beschäftigen, haben es oft schwer, sich von der Arbeit zu lösen oder geistig abzuschalten. Dies kann zu einer verminderten Work-Life-Balance führen. In Anlehnung an die Boundary-Theorie haben wir eine Intervention konzipiert, die es Angestellten ermöglicht, ihren individuellen Weg zu finden, beide Lebensbereiche zu integrieren oder zu trennen. Unsere Online-Intervention lehrt Achtsamkeit als kognitiv-emotionale Trennungsstrategie. Achtsamkeit beschreibt einen Zustand, in dem man sich den aktuellen Erfahrungen unvoreingenommen bewusst ist. In unserer Intervention reflektierten die Angestellten ihre Segmentierungsstrategien (d.h. Strategien, die Arbeit und Privatleben voneinander trennen sollen) und lernten achtsame Atemübungen, die ihnen helfen, sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren und unerwünschte arbeitsbezogene Erkenntnisse und Gefühle loszulassen. So konnten sich die Angestellten auf eine Tätigkeit in einem bestimmten Lebensbereich konzentrieren (z.B. Spielen mit Kindern zu Hause) und arbeitsbezogene Sorgen oder Bedenken vergessen. Unsere Studienergebnisse zeigen, dass die Angestellten der Interventionsgruppe im Vergleich zu einer Kontrollgruppe weniger emotionale Erschöpfung, negative Auswirkungen und belastungsbedingte Konflikte zwischen Familie und Beruf sowie mehr psychologische Distanz und Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance hatten.

Fazit

Interventionen zu positiver Arbeitsreflexion, Erholungspausen und Aufteilung von Lebensbereichen können den Angestellten helfen, Ressourcen aufzubauen und ihr Wohlbefinden zu verbessern. Für Unternehmen und deren Angestellte sehen wir die folgenden Vorteile: Diese Interventionsaktivitäten können in kurzen Pausen leicht in den Arbeitsalltag integriert oder abends in der Freizeit durchgeführt werden. Sie können berufsübergreifend eingesetzt und über Online-Plattformen, Smartphone-Apps oder auf Papier bereitgestellt werden. Unternehmen und Mitarbeitende müssen sich bewusst sein, dass vor allem bedürftige Mitarbeitende (z.B. hohe Arbeitsbelastung, emotional anspruchsvolle Arbeitsaufgaben) von diesen Maßnahmen profitieren und dass die langfristigen Auswirkungen dieser Maßnahmen noch nicht bekannt sind. Schließlich sind diese individuellen Maßnahmen nicht unbedingt ein Ersatz für umfassendere Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung (z.B. Arbeitsentlastung, Teambuilding-Workshops, Führungstrainings), die darauf abzielen, die Arbeitsbedingungen ganzheitlich zu verbessern.

Praktische Empfehlungen

  • Denken Sie in Ihrer Mittagspause oder am Ende des Arbeitstages an etwas, das bei der Arbeit gut gelaufen ist. Zum Beispiel: ein nettes Gespräch mit einem Kollegen/einer Kollegin, eine erfolgreiche Präsentation, eine Aufgabe, die Ihnen Spaß gemacht hat.
  • Planen Sie kurze Pausen während Ihres Arbeitstages ein – zum Loslassen und Energie aufladen. Benutzen Sie diese zum Entspannen, Meditieren oder Spazierengehen.
  • Versuchen Sie, nach der Arbeit abzuschalten. Kleine achtsame Atemübungen können Ihnen helfen, sich auf aktuelle Erfahrungen zu konzentrieren und unerwünschte Gedanken und Emotionen loszulassen.

[übersetzt von Dr. phil. Janina Lüscher und Laila Susin]

Patientengespräch: Was der Arzt/die Ärztin offensichtlich sagt und der Pati-ent/die Patientin offensichtlich missversteht

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Von Anne Marie Plass, University Medical Center of Göttingen, Germany

Vor einiger Zeit hat sich eine Dermatologin und Spezialistin für Psoriasis (eine chronische Hautkrankheit) des Universitätsspitals bei mir darüber beklagt, dass viele ihrer Patienten und Patientinnen die Therapie nicht befolgen, obwohl ein gemeinsames Ziel gesetzt und eine gemeinsame Entscheidung getroffen wurde.

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Was geschieht mit den Medikamenten zu hause?

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Von Kerry Chamberlain, Massey University, Auckland, New Zealand

Was machen Personen mit den Medikamenten, wenn sie ihr Zuhause betreten? Überraschenderweise gibt es nur limitierte Forschung, die diese Fragestellung zu beantworten versuchte. Sie ist jedoch sehr wichtig, denn die meisten Medikamente werden zu Hause nur unter der Kontrolle des Konsumenten oder der Konsumentin eingenommen. Verschreibungspflichtige Medikamente sind zwar reguliert, aber sobald sie verschrieben und abgeholt wurden, gelten sie als, wie vorgeschrieben, eingenommen. Personen können zudem eine breite Palette von rezeptfreien Medikamenten (z.B. zur Schmerzlinderung), von alternativen Medikamenten (z.B. homöopathische Präparate) und anderen gesundheitsbezogenen Präparaten, die weniger offensichtlich sind (z.B. Nahrungsergänzungsmittel, probiotische Getränke), nutzen. Es sollte beachtet werden, dass der Zugang zu allen Formen von Medikamenten von Land zu Land sehr unterschiedlich sein kann.

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Wie setzt man Ziele, die funktionieren?

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Von Tracy Epton, Universität von Manchester, Vereinigtes Königreich

 

Zielsetzung ist eine beliebte Technik

 

Es gibt viele verschiedene Techniken, die verwendet werden können, um das Verhalten zu verändern (93 gemäß einer kürzlich erschienen Liste!). Zielsetzung ist eine bekannte Technik, welche von den meisten Menschen schon einmal benutzt wurde. Zielsetzung wird von Wohltätigkeitsorganisationen verwendet (z.B. von Alcohol Concern, einer britischen Wohltätigkeitsorganisation, die Menschen aufgefordert hat, sich das Ziel zu setzen, während des Monats Januar mit dem Trinken aufzuhören), als Teil kommerzieller Gewichtsverlustprogramme und sogar in Fitness-Apps. In einem kürzlich durchgeführten Review wurden 384 Tests zur Effektivität der Zielsetzung in verschiedenen Bereichen durchgeführt, um festzustellen, ob die Zielsetzung wirklich funktioniert, welche Zieltypen am besten funktionieren und ob die Zielsetzung für alle funktioniert.

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Selbstregulation von der Theorie zur Praxis: Unterstützung der Veränderungsziele Ihrer Patienten und Patientinnen

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Von Stan Maes & Véronique De Gucht, Universität Leiden, Niederlande

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Rolle von Personen im Gesundheitssystem verändert. Von der “Einhaltung medizinischer Vorschriften”, was Gehorsam impliziert, hat sich die Rolle zu “Selbstmanagement” entwickelt, was Verantwortung für die Kontrolle der eigenen Gesundheit oder Krankheit bedeutet. Dies wurde vor kurzer Zeit zur Idee der “Selbstregulierung” weiterentwickelt, einem systematischen Prozess bei dem persönliche Gesundheitsziele und Steuerungsverhalten zur Erreichung dieser Ziele festgelegt werden. Um den kontinuierlichen Prozess der Selbstregulierung zu veranschaulichen, haben wir das antike Bild eines “Ouroboros” (eine Schlange, die ihren eigenen Schwanz frisst) gewählt, um diesen Blogbeitrag zu begleiten.

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Mehr Bewegung, weniger Sitzen am Arbeitsplatz: Lasst uns nicht im Sitzen darüber sprechen

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Von Stuart Biddle, University of Southern Queensland, Australien

 

Ich schreibe diesen Blog am Valentinstag! Die australische Organisation für Gesundheitsförderung, Bluearth, hat einige amüsante Videos produziert, welche Sie dazu ermutigen sollen, Ihren Stuhl weniger zu nutzen, indem Sie mit ihrem Stuhl “Schluss machen” (so wie man sich von seinem Partner oder seiner Partnerin trennt, siehe Videos hier). Was ist genau das Problem? Im Wesentlichen geht es darum, dass wir – durch die Veränderungen in der Art wie viele von uns arbeiten – zu viel sitzen, und dies hat sich für unsere Gesundheit als schlecht erwiesen. Zum Beispiel fahren viele Leute zur Arbeit, sitzen beinahe den ganzen Tag am Schreibtisch, fahren nach Hause und sitzen den größten Teil des Abends vor dem Fernseher oder Computer. Der Arbeitsplatz ist daher reif für eine Gesundheitsverhaltensveränderung. Aber wie können wir etwas verändern, das mit einer Gewohnheit wie dem Sitzen, starken sozialen Normen sowie einer Umgebungsgestaltung zu tun hat, die gleichzeitig weniger Bewegung und bequemes Sitzen unterstützt?

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Willenskraft gegen ungesunde Versuchungen – Spoiler Alert – normalerweise verliert die Willenskraft

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Von Amanda Rebar, Central Queensland University, Australien

Forschungsergebnisse, die zeigen, dass sich Menschen nicht immer so verhalten, wie es für ihre langfristige Gesundheit am besten wäre, überraschen nicht sonderlich. Zum Beispiel ist den meisten Menschen bewusst, dass Bewegung ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit gut tut, aber vergleichsweise trainieren bedeutend weniger Menschen regelmässig. Wenn eine Person die Absicht hat, sich mehr körperlich zu betätigen, wird sie dies nur mit einer ca. 50% Wahrscheinlichkeit auch tatsächlich umsetzen. Das ist die gleiche Wahrscheinlichkeit wie bei einem Münzwurf! Haben Sie sich jemals überlegt, warum Menschen sich trotz bester Absichten ungesundem Verhalten hingeben? Es gibt eine Bewegung, die in der Gesundheitspsychologie stetig an Glaubwürdigkeit und Beliebtheit gewinnt, die beschreibt, wie das Verhalten von Menschen durch zwei Systeme beeinflusst wird. Diese dualen Prozessmodelle bieten einen erfrischenden Ansatz, wie man Menschen helfen kann, einen gesunden Lebensstil zu führen, ohne dass ein ständiger Kampf zwischen Willenskraft und ungesunder Versuchungen ausgetragen werden muss.

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