Ihre Intervention, Ihr Weg! Kurzinterventionen zur Änderung von Bewertungen

von Katarzyna Cantarero, SWPS University, Polen

Subjektives Wohlbefinden wird bestimmt durch Umstände, mit denen wir geboren werden, durch Situationen, die uns im Verlauf unseres Lebens widerfahren und, (glücklicherweise!) dadurch, wie wir absichtlich handeln. Viele Forscher*innen haben untersucht, was unser psychologisches Befinden effektiv verbessern kann. Kurze Interventionen zur Änderung von Bewertungen (oder positiven Affirmationen) können ein hilfreiches Werkzeug sein um das Wohlergehen von Personen zu steigern.

Die Forschung zeigt, dass kurze Schreibaufgaben (z.B. Dankbarkeits-Listen oder -Briefe) das psychologische Wohlbefinden verbessern können. Zudem zeigte eine große Studie von Forscher*innen aus 87 Ländern, dass einfache Bewertungs-Interventionen (d.h. solche die darauf abzielen zu verändern, wie sich jemand bzgl. einer bestimmten Situation fühlt oder die dazu anregen, sich auf die positiven Aspekte einer Situation zu fokussieren) zu mehr positiven Emotionen während der COVID-19 Pandemie beitragen konnten. Die Umbewertung von potenziell stressreichen Ereignissen kann hilfreich dabei sein, einen Vorteil aus diesen Ereignisse zu ziehen. Während dieser Bewertungsaufgaben denken die Teilnehmenden über Argumente für die positiven Seiten der Situation nach, in der sie sich befinden

Das subjektive Wohlbefinden durch die positive Affirmation (Bekräftigung) von psychologischen Bedürfnissen steigern

Während der Pandemie untersuchte unsere Forschungsgruppe, ob kurze Online-Interventionen das individuelle, subjektive Wohlbefinden verbessern können. Dabei haben wir uns auf Herausforderungen bzgl. grundlegender psychologischer Bedürfnissen (d.h. Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit) fokussiert, welche Menschen im Zuge des COVID-19 Ausbruchs erlebt haben könnten. Das Bedürfnis nach Autonomie ist verwandt mit dem Gefühl von Wahlfreiheit und Selbstbestimmung, das Bedürfnis nach Kompetenz ist verbunden mit dem Gefühl, dass man die eigenen Ziele erreichen kann und das Bedürfnis nach Verbundenheit ist das Gefühl, sich mit nahestehenden Personen verbunden zu fühlen. Laut der Selbstbestimmungstheorie ist die Erfüllung dieser grundlegender Bedürfnisse essenziell für das menschliche Befinden. In unseren Untersuchungen ergab sich, dass Menschen, welche das Gefühl hatten, ihre psychologischen Bedürfnisse seien erfüllt, auch bessere mentale Gesundheit berichteten.

In einer darauffolgenden Studie haben wir Personen gebeten, über Situationen zu schreiben, in denen sie trotz der Einschränkungen bzgl. ihres Lebensstils durch die Pandemie ein Gefühl von Autonomie, Kompetenz und/oder Verbundenheit erlebt haben. Diese kurze Intervention steigerte das mentale Wohlbefinden durch ein erhöhtes Gefühl von Verbundenheit und ein verringertes Gefühl von Stress im Vergleich zu der Kontrollgruppe. Kurze und einfache Online-Aufgaben wie diese könnten daher dabei helfen, dass sich Menschen besser fühlen, auch wenn noch unklar ist, wie lange diese positiven Effekte anhalten.

Die Bedeutsamkeit der Arbeit und das Arbeitsengagement erhöhen

In einem anderen Teil der Forschung fragte sich unsere Forschungsgruppe, ob sich auch im Arbeitskontext positive Effekte durch das Anwenden von ähnlichen kurzen Online-Interventionen erreichen lassen. Dabei interessierte uns vor allem die Bedeutsamkeit der Arbeit und das Arbeitsengagement. Arbeitsengagement ist oft beschrieben als Gefühl von Hingabe, Vertieft Sein und Lebhaftigkeit in Verbindung mit der Arbeit. Ein hohes Arbeitsengagement hat Vorteile für das Individuum und für das Unternehmen (z.B. bessere Leistungen, eine höhere Zufriedenheit mit der Arbeit und weniger depressive Symptome). Genauso hängt die Bedeutsamkeit der Arbeit auch zusammen mit verschiedenen positiven psychologischen Effekten, einschließlich jener, die über den Arbeitskontext hinausgehen (z.B. weniger Angst, höheres Wohlbefinden).

Frühere Studien haben verschiedene Quellen der Bedeutsamkeit von Arbeit identifiziert (z.B. einem größeren Nutzen zu dienen, anderen zu helfen, sich persönlich weiterzuentwickeln oder Geld zu verdienen). Wir nahmen an, dass sich diese Quellen in selbst- und fremdorientiere Quellen der Bedeutsamkeit von Arbeit kategorisieren lassen. Daher wollten wir testen, ob eine Bedeutsamkeits-Intervention, welche auf selbst- oder fremdorientiere Quellen der Bedeutsamkeit abzielt, die Bedeutsamkeit der Arbeit sowie das Arbeitsengagement steigern kann. Als Erstes hat sich ergeben, dass Arbeitsnehmer*innen die gebeten wurden, darüber zu schreiben, warum sie ihre Arbeit als bedeutsam betrachten, eine höhere empfundene Bedeutsamkeit der Arbeit und ein höheres momentanes Arbeitsengagement im Vergleich zu einer Kontrollgruppe aufwiesen. Die Kontrollgruppe hat hierbei darüber geschrieben, welches Equipment sie auf der Arbeit einsetzen. In der nächsten Studie haben wir Arbeitnehmer*innen gebeten, entweder darüber zu schreiben inwiefern die Arbeit bedeutsam ist, weil sie einem größeren Nutzen dient oder weil sie hilft in der eigenen professionellen Laufbahn weiterzukommen. Verglichen wurden die Gruppen wieder mit einer Kontrollgruppe, welche über ihre Arbeitsausrüstung schrieb. Wir fanden heraus, dass das Schreiben darüber, wie die eigene Arbeit anderen Menschen hilft, die empfundene Bedeutsamkeit der Arbeit und folglich auch das Arbeitsengagement verbessert.

Zusammenfassend stellen Kurzinterventionen zur Änderung von Bewertungen (durch sich selbst oder durch andere angewandt) einen vielversprechenden Weg dar, um zumindest kurzfristig das psychologische Wohlbefinden zu verbessern. Da die Teilnehmenden selbst die Beispiele liefern, sind diese Interventionen von Grund auf gut auf die Individuen zugeschnitten und könnten daher auch effektiver sein. Um das psychologische Wohlbefinden Ihrer Klient*innen zu verbessern oder um die empfundene Bedeutsamkeit der Arbeit und das Arbeitsengagement zu erhöhen können Sie sich überlegen, ob Sie ihnen eine der untenstehenden Schreibaufgaben empfehlen.

Praktische Empfehlungen

  • Um das subjektive Wohlbefinden zu verbessern oder um Stress zu reduzieren bitten Sie die Teilnehmenden über Situationen zu schreiben, in denen sie ein paar oder alle der unten aufgelisteten Gefühle erlebt haben: 
    • Ein Gefühl von Autonomie, z.B. Situationen in denen Sie das Gefühl von Wahlfreiheit und Freiheit allgemein in Ihrem Handeln verspürten;
    • Ein Gefühl von Kompetenz, z.B. Situationen in denen das Gefühl hatten, Sie seien dazu imstande, Ihre Ziele zu erreichen;
    • Ein Gefühl von Verbundenheit, z.B. Situationen in denen Sie sich mit Menschen verbunden fühlten, die Ihnen wichtig sind und denen Sie wichtig sind.
  • In einem Arbeitskontext können Sie Ihren Klient*innen vorschlagen, aufzuschreiben, wieso ihre Arbeit bedeutsam ist oder raten Sie ihnen dazu sich zu fragen, inwiefern ihre Arbeit einem höheren Zweck dient.

 

Übersetzt von Benjamin Knopp und Theresa Pauly

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