Von Lis Dreijer Hammond, Aalborg Universität (DK), Christian Karlsen Hansen & Martin Lehmkuhl Kristensen, Rehabilitationszentrum für Geflüchtete, regionaler Gesundheitsdienst Nordjütland (DK) und Chalotte Glintborg, Aalborg Universität (DK)

Wenn Krankheiten oder andere schwerwiegende negative Lebensereignisse eintreten, kehrt das Leben oft nicht mehr in den Ausgangszustand zurück. Für Menschen mit chronischen Erkrankungen besteht die Herausforderung nicht nur darin, ihre Symptome zu bewältigen, sondern auch darin, sich an ein verändertes Leben anzupassen. Ist dieser Anpassungsprozess gestört, kann dies zu Angstzuständen, Depressionen, einer verschlechterten körperlichen Gesundheit und einer stärkeren Inanspruchnahme des Gesundheitssystems führen. Schätzungen dazu, wie gut Menschen sich an andauernde Herausforderungen anpassen, variieren je nach Messmethode. Je nach Methode passen sich zwischen 16,9 % und 62 % der Betroffenen schlecht an, während bei 13 % bis 36,3 % von einer guten Anpassung ausgegangen wird. Weltweit leben mehr als eine Milliarde Menschen mit chronischer Multimorbidität. Wenn bis zu zwei Drittel von ihnen Anpassungsschwierigkeiten aufweisen, besteht ein dringender Bedarf, die Unterstützung bei der Anpassung an chronische Erkrankungen zu verbessern.

Die Anpassung beschränkt sich nicht nur auf die Befolgung medizinischer Empfehlungen oder das Gesundheitsverhalten. The Integrative Model of Adjustment to Continuous Challenges (IMACC, auf Deutsch: Integratives Modell der Anpassung an andauernde Herausforderungen) ist eine Theorie des biopsychosozialen Anpassungsprozesses, wie er von der betroffenen Person erlebt wird. IMACC wurde im Rahmen einer Studie zu Typ-2-Diabetes entwickelt und später auf seine Anwendbarkeit bei Epilepsie im Erwachsenenalter überprüft. Die gemeinsame Nutzung von IMACC ermöglicht einen direkten Einblick in den individuellen Anpassungsprozess, wie im Folgenden beschrieben.

Anpassung ist ein normaler und lebenslanger Prozess; wenn sich das Leben verändert, passen wir uns ihm an. Negative Veränderungen können jedoch schwer zu bewältigen sein. IMACC geht davon aus, dass es für einen möglichst reibungslosen Alltag notwendig sein kann, Gedanken und Verhaltensweisen zu ändern, die unter den neuen Bedingungen nicht mehr hilfreich sind. Solche Veränderungen werden als Anpassungsaufgaben bezeichnet. Ihre erfolgreiche Bewältigung führt zu einer besseren Anpassung, einem funktionaleren Alltag und einer positiven Entwicklung der Identität. Anpassungsschwierigkeiten können durch Hindernisse verursacht werden, die einer Veränderung im Wege stehen. Diese können den Anpassungsprozess verzögern und im Laufe der Zeit zu einer schlechten Anpassung, einer Verschlechterung der psychischen und physischen Gesundheit sowie zu negativen Identitätsveränderungen führen.

Wie IMACC aufgebaut ist 

IMACC besteht aus drei miteinander interagierenden Ebenen:

Ebene 1: Persönlichkeit und Lebensveränderungen beziehen sich auf die frühere Persönlichkeit, Überzeugungen und Verhaltensweisen. Der Fokus liegt auf Aspekten, die den Anpassungsprozess beeinflussen können, sei es als Hindernisse oder als Stärken, die die Anpassung unterstützen. Darüber hinaus können bestimmende Erfahrungen, die im Zusammenhang mit den negativen Lebensereignissen auftreten und die Notwendigkeit einer Anpassung auslösen, den Prozess ebenfalls beeinflussen – sowohl negativ (z. B. plötzliche Gesundheitseinschränkung) als auch positiv (z. B. Unterstützung).

Ebene 2: Ein kontinuierlicher Anpassungszyklus umfasst fünf Bereiche mit jeweiligen Anpassungsaufgaben. Bei einer langfristigen Erkrankung oder Behinderung beginnt die betroffene Person typischerweise mit einer Bestandsaufnahme. Sie verarbeitet erste emotionale Reaktionen wie Schock oder Wut und überlegt gleichzeitig, was sich ändern muss, damit das Leben wieder funktioniert. Dazu gehört auch die Entwicklung der Motivation zur Anpassung.

Anschließend folgt die Phase des Lernens. Hier eignet sich die Person Wissen über die Erkrankung und damit verbundene Möglichkeiten sowie Fähigkeiten zum Selbstmanagement und zur Bewältigung an. Dies beinhaltet in der Regel die Entwicklung neuer Haltungen gegenüber dem Leben und anderen Menschen. Das Umfeld spielt dabei eine zentrale Rolle. Familie, Arbeit, medizinisches Fachpersonal und das weitere Umfeld beeinflussen die Anpassung ebenso wie die Wahrnehmung der Person hinsichtlich ihrer Umgebung und ihrer eigenen Lebensrollen.

Im weiteren Verlauf muss die Person den Schritt des Loslassens vollziehen und Verluste verarbeiten, die mit früheren Möglichkeiten oder zukünftigen Träumen und Plänen zusammenhängen, die nicht mehr realisierbar sind. Einstellungen oder Verhaltensweisen, die in der neuen Situation nicht mehr funktionieren, müssen möglicherweise aufgegeben werden. Im Laufe der Zeit kann die Person bei jeder Veränderung die neue Lebensweise akzeptieren und integrieren, indem sie neue Einstellungen und Verhaltensweisen in ihren Alltag einbindet und beibehält.

Wichtig ist, dass die Person bei jedem Problem, das eine Veränderung erfordert, den kontinuierlichen Anpassungszyklus durchläuft. Das bedeutet, dass mehrere Bereiche gleichzeitig aktiv sein können.

Ebene 3: Der Aufrechterhaltungszyklus zeigt, was in schwierigen Momenten geschieht. Es handelt sich um einen klassischen kognitiv-verhaltenstherapeutischen Aufrechterhaltungszyklus mit einem Unterschied: Die Kognitionen sind durch einen kognitiven Konflikt gekennzeichnet, der typischerweise zwischen den Bereichen „Bestandsaufnahme“ oder „Lernen“ (je nachdem, an welcher Stelle des Anpassungsprozesses die Person ins Stocken geraten ist), „Loslassen“ und „Umfeld“ entsteht. Zur Veranschaulichung: Ein typisches Beispiel ist eine Frau, die Schwierigkeiten hat, sich stärker auf Selbstfürsorge zu konzentrieren, weil sie aus Angst, eine „schlechte Mutter“ oder „schlechte Ehefrau“ zu sein, ihre Rolle als diejenige, die kocht und putzt, nicht loslassen kann. Die Aufrechterhaltung ihrer engen Beziehungen (soziales Umfeld) erscheint ihr wichtiger als die Sorge um sich selbst (zugrundeliegende Haltung).

Praktische Empfehlungen

Ein sinnvolles Ziel identifizieren: Unterstützen Sie die Reflexion darüber, welche Veränderungen im Alltag der Person einen positiven Unterschied bewirken könnten (z. B. eine Anpassung des Gesundheitsverhaltens). Besprechen Sie, wie sie diese Veränderung in ihren Tagesablauf integrieren können. Konkrete Angaben zu den Details (Zeit, Ort usw.) erleichtern den Einstieg. Fragen Sie, was es für sie bedeuten würde, diese Veränderung vorzunehmen – und was es bedeuten könnte, diese NICHT vorzunehmen. Sinnvolle Ziele fördern die Motivation.

Hindernisse überwinden: Besprechen Sie Versuche, die Veränderung umzusetzen, und normalisieren Sie eventuelle Schwierigkeiten. Sprechen Sie über einen kürzlichen Versuch, etwas zu ändern, und achten Sie auf die zugrunde liegenden Werte und Haltungen (z. B. „Ich muss anderen helfen, bevor ich an mich selbst denke“ oder „Ich muss eine Aufgabe beenden, bevor ich mich ausruhen darf“).

Die Rolle anderer berücksichtigen: Fragen Sie die Person, welche Auswirkungen die Veränderung ihrer Meinung nach auf ihre engen Beziehungen haben könnte. Wenn beispielsweise das Bedürfnis, besser für sich selbst zu sorgen, bedeutet, weniger für andere zu tun, welche Konsequenzen könnte dies ihrer Meinung nach haben? Was würde dies für ihre Identität bedeuten (z. B. eine Veränderung ihrer Lebensrollen)? Was glaubt die Person, könnten andere denken, sagen oder tun?

Verhandlungen über Änderungen unterstützen: Worüber müsste die Person möglicherweise mit anderen sprechen? Sie müsste vielleicht erfragen, was die veränderte Lage für andere bedeutet (anstatt sich auf eigene Annahmen zu verlassen). Möglicherweise müsste sie Anpassungen der täglichen Routinen aushandeln oder ihre Fähigkeit verbessern, ihre Bedürfnisse klar zu kommunizieren (z. B. bei schwankender Schmerzintensität: Was können andere erwarten, was sie heute leisten kann?).

Die Körperwahrnehmung stärken: Unterstützen Sie die Person dabei, körperliche Symptome und Empfindungen zu verstehen, was sie bedeuten und wie sie diese als Leitfaden für die Selbstfürsorge nutzen kann. Helfen Sie ihr, den mit Verhaltensänderungen verbundenen Stress und die Auswirkungen der Veränderung auf enge Beziehungen zu bewältigen.

Übersetzt von Kirsten Emmert (unter Nutzung von deepl.com)

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