Von Kathryn McEwan, Northumbria University, UK

Sarah half ihrem Vater, seine Sachen zu packen; Erleichterung vermischte sich mit aufsteigender Angst. Nach fünf Tagen im Krankenhaus infolge eines Schlaganfalls wurde er entlassen. Eine Pflegekraft hatte kurz Änderungen bei der Medikation und Nachsorgetermine erwähnt, doch Sarah (die ihn zu Hause pflegen würde) war nicht in diese Gespräche einbezogen worden. Sie verliess das Krankenhaus mit einem Entlassungsbrief, den sie nicht ganz verstand, ohne zu wissen, auf welche Warnsignale sie achten sollte, oder wen sie bei Problemen anrufen könnte. Innerhalb von 48 Stunden wurde ihr Vater erneut eingewiesen.

Für viele Patientinnen und Patienten sowie pflegende Angehörige markiert die Krankenhausentlassung den Beginn eines unsicheren, wenig begleiteten Übergangs, bei dem die Verantwortung für die Versorgung abrupt auf das häusliche Umfeld übergeht. Wenn diese Übergabe scheitert, durch überhastete Erklärungen, fehlende Informationen oder mangelnde Einbeziehung der Pflegenden, können die Folgen schwerwiegend sein: vermeidbare Wiedereinweisungen, Verschlechterung des Gesundheitszustands zu Hause und überwältigender Stress für die pflegenden Personen.

Das Ausmass des Problems

Die Herausforderung ist erheblich. In England bleiben täglich rund 13.000 bis 14.000 Patientinnen und Patienten im Krankenhaus, obwohl sie aus medizinischer Sicht entlassungsfähig wären (Daten vom Oktober 2025). Verzögerte Entlassungen tragen zu fehlenden Bettenkapazitäten, verzögerte Übergaben im Rettungsdienst und abgesagten Eingriffen bei. Jedes siebte Krankenhausbett ist mit jemandem belegt, der keine akute Versorgung mehr benötigt, vergleichbare Herausforderungen sind international zu beobachten.

Mehr als die Hälfte aller unbezahlten pflegenden Angehörigen (Familienmitglieder, Freundinnen und Freunde oder Nachbarinnen und Nachbarn, die Unterstützung leisten) gibt an, nicht in Entlassungsentscheidungen einbezogen worden zu sein. Diese Pflegepersonen übernehmen komplexe Aufgaben wie das Verwalten von Medikamenten, die Wundversorgung und den Umgang mit medizinischen Geräten. Dennoch zeigt die Forschung, dass viele sich unvorbereitet fühlen, unzureichende Anleitungen erhalten und von der Komplexität der Aufgaben überfordert sind, die sie nach der Entlassung bewältigen sollen.

Was lässt sich bei der Krankenhausentlassung besser machen?

Unsere kürzlich in Zusammenarbeit mit pflegenden Angehörigen, Fachkräften aus dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie Kolleginnen und Kollegen aus dem freiwilligen Sektor durchgeführte Forschung bestätigt diese Herausforderungen und liefert gleichzeitig praktische Lösungsansätze. Wir haben festgestellt, dass Kommunikationsprobleme nicht auf individuelle Versäumnisse zurückzuführen sind, sondern auf systembezogene Belastungen und strukturelle Barrieren.

Drei verhaltenswissenschaftlich gestützte Strategien erwiesen sich als unmittelbar umsetzbar für Fachkräfte im Gesundheitswesen:

  1. Entlassungsgespräche bereits bei der Aufnahme beginnen

Pflegende Angehörige beschrieben wiederholt, dass sie erst spät hinzugezogen wurden, nachdem wichtige Entscheidungen bereits getroffen worden waren. Dies spiegelt die internationale Forschung zur Versorgungskontinuität wider, die zeigt, dass eine frühzeitige Einbeziehung Pflegender die kognitive Belastung reduziert, unrealistische Erwartungen verhindert und Raum schafft, um Ängste anzusprechen, bevor sie diese verstärken. Die COVID-19-Pandemie hat diese Praktiken gestört: Gezielte Sozialarbeit auf den Stationen sowie der frühzeitige Kontakt mit Angehörigen bei der Aufnahme gingen verloren; mit Folgen, die bis heute die Entlassungsplanung beeinträchtigen.

  1. Einfache, alltagsnahe Sprache verwenden und Erwartungen gezielt steuern

Pflegende Angehörige beschrieben, wie sie mit Fachbegriffen, Abkürzungen und schnell vorgetragenen Erklärungen kämpften. Manche schlugen medizinische Begriffe in Echtzeit nach, während emotionaler Stress und die ungewohnte Umgebung die Informationsaufnahme erschwerten. Diese Erfahrung ist gut dokumentiert: Forschung zur Pflegekompetenz von Angehörigen und zur Gesundheitskompetenz identifiziert unzureichende Kommunikation als eine zentrale Barriere für eine sichere Entlassung. Systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass Pflegende häufig von vollständiger Abhängigkeit von Pflegekräften im Krankenhaus zu vollständiger Eigenverantwortung zu Hause wechseln, überfordert von der Komplexität der Aufgaben, die sie bewältigen sollen.

Klare, konkrete Sprache reduziert Fehler und stärkt das Vertrauen. Fachkräfte berichteten uns, dass sie manchmal überschätzen, was pflegende Angehörige zu Hause realistischerweise leisten können. Dies deckt sich mit Forschungsbefunden zu Machtgefällen zwischen Pflegenden und Fachkräften: Die grössere Vertrautheit von Gesundheitspersonal mit dem Versorgungssystem kann pflegende Angehörige unbeabsichtigt aus wichtigen Gesprächen ausgrenzen. Transparenz über systembezogene Belastungen, Versorgungsgrenzen und das, was tatsächlich erreichbar ist, hilft, Missverständnisse und spätere Frustration zu vermeiden. Diese ehrliche Kommunikation unterstützt pflegende Angehörige dabei, effektiv zu planen, statt unerwarteten Anforderungen gegenüberzustehen.

  1. Eine klare Ansprechperson nach der Entlassung benennen

Pflegende Angehörige beschrieben tiefe Unsicherheit darüber, wen sie bei Fragen zur Medikation, bei Verzögerungen mit Hilfsmitteln oder bei Verschlechterungszeichen anrufen sollten. Diese Ungewissheit schürt Angst und kann zu unnötigen Wiedereinweisungen oder verzögerter Hilfesuche führen. Forschung zeigt, dass die Benennung einer einzigen, namentlich bekannten Ansprechperson, auch wenn diese Anfragen weiterleitet, die Belastung pflegender Angehöriger erheblich reduziert und die Sicherheit verbessert. Forschung zur Versorgungskontinuität zeigt, dass das Gefühl, von den Diensten „gekannt” zu werden, Ängste abbaut und die Entscheidungsfindung für Patientinnen, Patienten und Pflegende verbessert.

Diese Grundsätze in die Praxis umsetzen

Zur Unterstützung der Umsetzung haben wir gemeinsam ein Caregiver Discharge Toolkit entwickelt, das fünf flexible Instrumente enthält: ein Willkommensschreiben, einen Aufnahmeleitfaden, eine Impulskarte „Was ist Ihnen wichtig?”, eine gemeinsame Entlassungscheckliste sowie eine Kontaktkarte für die Zeit nach der Entlassung. Diese für den Stationsalltag konzipierten Instrumente verbessern die kommunikativen Aspekte der Entlassung, berücksichtigen unterschiedliche Pflegesituationen und können an Krankenhausteams, ambulante Dienste und Organisationen des freiwilligen Sektors angepasst werden.

Die Botschaft von Pflegenden und Fachkräften

Kleine, bewusste Veränderungen in der Kommunikation können dazu beitragen, die Entlassung von einem überhasteten Endpunkt in einen begleiteten Übergang zu verwandeln. Wenn pflegende Angehörige sich wahrgenommen, informiert und vorbereitet fühlen, wenn sie als Partnerinnen oder Partner behandelt werden, verbessern sich die Ergebnisse für alle Beteiligten.

Pflegende Angehörige zu unterstützen ist nicht nur ein Gebot des Mitgefühls, sondern unverzichtbar für eine sichere und wirksame Entlassung. Unser Toolkit und die dahinterstehenden Grundsätze bieten einen praktischen Ausgangspunkt für Teams, die diesen Wandel aktiv gestalten wollen.

Praktische Empfehlungen

  1. Entlassungsplanung bereits bei der Aufnahme beginnen, nicht erst bei der Entlassung.

Frühzeitige Einbeziehung reduziert Ängste, verhindert unrealistische Erwartungen und schafft Zeit für Schulung und gemeinsame Problemlösung. Einfache Fragen helfen dabei, von Beginn an ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln:

Wer unterstützt Sie zu Hause?

Was funktioniert in Ihrem Alltag bereits gut?

Was könnte nach der Entlassung schwierig sein?

Dies gestaltet die Entlassung nicht als abrupte Übergabe, sondern als schrittweisen, begleiteten Übergang; mit ausreichend Zeit, um Nachsorgedienste zu koordinieren und Bedenken anzusprechen, bevor sie sich verstärken.

  1. Einfache, alltagsnahe Sprache verwenden und das Verständnis überprüfen.

Fachbegriffe vermeiden. Ersetzen Sie „Mobilitätseinschränkungen” durch „Schwierigkeiten beim Gehen”, „Vitalzeichen” durch „Temperatur und Blutdruck messen”. Nach der Erklärung von Medikamentenänderungen oder Pflegeaufgaben sollte das Verständnis aktiv überprüft werden, anstatt es vorauszusetzen. Offene Fragen helfen dabei:

Was würde Ihnen helfen, sich zu Hause sicherer zu fühlen?

Was bereitet Ihnen am meisten Sorgen, wenn Sie an die häusliche Versorgung denken?

Diese Fragen schaffen Raum, damit Missverständnisse sichtbar werden können. Transparenz über den Systemdruck und das, was tatsächlich erreichbar ist, reduziert Frustration und unterstützt eine realistische Planung.

  1. Eine klare Ansprechperson nach der Entlassung benennen.

Machen Sie bestehende Kommunikationswege explizit und verlässlich. Geben Sie konkrete Angaben: Name, Telefonnummer und Hinweis darauf, wann man anrufen kann (z. B.: „Wenden Sie sich bei Fragen zu Medikamenten oder Hilfsmitteln an Louise Jones, Entlassungspflegerin, werktags zwischen 9 und 17 Uhr”). Auch wenn diese Person Anfragen lediglich weiterleitet, macht das Wissen, dass es eine Ansprechperson gibt, den entscheidenden Unterschied: aus dem Gefühl des Alleingelassenwerdens wird das Erleben von begleiteter Versorgung. 

Übersetzt von: Karoline Villinger

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