Gesundheitspsychologie in der täglichen Praxis

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Karen Morgan, Perdana University Royal College of Surgeons in Ireland Medical School, Kuala Lumpur, Malaysia and Robbert Sanderman, University of Groningen and Health and Technology University of Twente, The Netherlands.

Was ist der Nutzen der Gesundheitspsychologie?

Gesundheitspsychologie ist eine junge, dynamische und schnell wachsende Disziplin der Psychologie. Gesundheitspsychologen und –psychologinnen konzentrieren sich in ihrer Arbeit auf die folgenden Anwendungen psychologischer Theorien und Forschung:

  • Die Förderung und Erhaltung von Gesundheit sowie Verhinderung von Krankheit
  • Das Verständnis, wie Menschen auf Krankheiten reagieren, diese bewältigen und sich davon erholen können
  • Die Personalisierung von Behandlungen und Interventionen
  • Die Weiterentwicklung von bestehenden Gesundheitssystemen und der Gesundheitspolitik

Die Gesundheitspsychologie befasst sich mit folgende Kernfragen: Was führt zu Gesundheitsverhalten und wie kann ungesundes Verhalten verändert werden? Zudem untersucht sie, wie Emotionen und Überzeugungen mit diesen Verhaltensweisen und ihren Konsequenzen verknüpft sind. Gesundheitspsychologen und –psychologinnen arbeiten daher in vielen unterschiedlichen Bereichen und mit verschiedenen Gruppen von Menschen zusammen. Dazu gehören Patienten und Patientinnen, Pflegende und Familien, Individuen in der Gemeinde, medizinische Fachkräfte sowie Gesundheitssysteme und Institutionen. Daher sind einige grundlegende Konzepte aus dem Bereich der Gesundheitspsychologie für all diejenigen relevant, die mit Patienten und Patientinnen arbeiten oder Verhaltensänderungen in der Praxis fördern wollen.

Förderung und Erhaltung von Gesundheit sowie Verhinderung von Krankheit

Während die Belastung der chronischen Erkrankungen weltweit rapide zunimmt, wären viele davon vermeidbar. Die epidemiologische Forschung hat gezeigt, dass die Primärprävention (z.B. die Verringerung der Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen) zur Verminderung von Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirksamer ist als die Sekundärprävention. Die Gesundheitspsychologie kann bezüglich der Verringerung von gesundheitsbezogenen Risikofaktoren einen enormen Beitrag leisten, indem sie spezifische Verhaltensweisen (z.B. Rauchen, schlechte Ernährung, Mangel an körperlicher Aktivität, die Teilnahme an medizinischen Screenings) identifiziert und diese gezielt zu ändern vermag.

Die Gesundheitspsychologie konzentriert sich dabei auf psychologische Mechanismen (z.B. Wissen, Einstellungen, Kognitionen) und soziale Einflüsse, die eine gezielte Verhaltensänderung behindern und zu anhaltenden ungesunden Verhaltensmustern führen können. Ein besseres Verständnis dieser Prozesse hilft, optimale Wege zu finden, um Menschen dabei zu unterstützen, aus solchen ungesunden Routinen auszubrechen und z.B. mit dem Rauchen aufzuhören oder ihren Obstkonsum zu erhöhen. Die Entwicklung und Nutzung von sogenannten eHealth-Applikationen zur Verhaltensänderung nimmt stetig zu genommen. Diese Verhaltensänderungs-Techniken via App-Nutzung bieten für die Gesundheitspsychologie eine sehr interessante Möglichkeit, Verhalten zu verändern.

Verständnis, wie Menschen auf Krankheiten reagieren, diese bewältigen und sich davon erholen

Krankheiten haben für Menschen psychologische Folgen, die die Erholung davon beeinflussen können. Als Folge einer Krankheit können Individuen Stress, Angst oder Depression erfahren oder damit hadern, was die Krankheit für ihre Identität bedeuten kann. Gesundheitspsychologen und –psychologinnen versuchen daher besser zu verstehen, wie man Menschen, die mit einer Krankheit konfrontiert sind, am besten unterstützen kann. Dazu sollen die komplexen Zusammenhänge zwischen Kognitionen (Gedanken), Bewältigung und Folgen der Krankheit und den wichtigen gesundheitlichen Verhaltensweisen (z.B. Medikamentenadhärenz in verschiedenen Populationen) untersucht werden. Darüber hinaus betrachten Gesundheitspsychologen und –psychologinnen kritisch die Definition und Messung von krankheitsrelevanten Verhaltensweisen, z.B.: Wie kann die Einnahme von Medikamenten gemäss der ärztlichen Vorgabe gemessen werden? Oder: Ab wann weicht die Einnahme der Medikamente von den Empfehlungen des Arztes ab? Es werden Theorien und Modelle verwendet, um krankheitsbezogene Verhaltensweisen und deren Folgen zu erklären und vorherzusagen. Des Weiteren bilden diese Theorien und Modelle die Grundlage für die Gestaltung von Interventionen, um positive Verhaltensänderungen zu erzielen. Gesundheitspsychologen und -psychologinnen versuchen auch herauszufinden, wie und für wen diese Interventionen am effektivsten sind.

Personalisierung von Behandlungen und Interventionen

Gesundheitspsychologen und –psychologinnen wollen herausfinden, wie eine Änderung des Verhaltens, z.B. eine Änderung der eigenen Ziele oder der sozialen Kompetenzen zu einer besseren Gesundheit führt. Diese Erkenntnisse sind wichtig, weil sie es ermöglichen die relevanten Bestandteile zu identifizieren, die für eine Verbesserung von Interventionen nötig sind, damit sie einen positiven Effekt auf die Gesundheit erzielen.

Darüber hinaus ist es auch sehr wichtig zu wissen, welche Bestandteile für wen am besten wirken. Angenommen, eine kognitive Verhaltens- oder Achtsamkeitsintervention soll Krebspatienten helfen, mit den Folgen der Krankheit fertig zu werden. Dabei stellt man fest, dass einige Individuen nicht wie erhofft auf die ihnen verschriebene Behandlung reagieren, die ihnen angeboten wurde. Die Forschung ermöglicht es nun, herauszufinden, ob Patienten mit bestimmten Merkmalen (wie Geschlecht, Alter oder bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen) besser oder schlechter auf eine dieser Behandlungen reagieren. Dies ist bei der Bestimmung, welche Behandlung für wen am besten geeignet ist, sehr hilfreich und ermöglicht so eine personalisierte Behandlung.

Verbesserung der Gesundheitssysteme und der Gesundheitspolitik

Die Art und Weise, wie Ärzte/Ärztinnen, Pflegepersonal und andere medizinische Fachkräfte mit einem Patienten/einer Patientin interagieren, kann einen erheblichen Einfluss auf die Reaktion des Patienten/der Patientin auf Krankheit und Behandlung haben. Gesundheitspsychologen und -psychologinnen können sowohl mit Patienten/Patientinnen, Pflegepersonen und Familien, als auch mit Angehörigen der Gesundheitsberufe zusammenarbeiten. Die Gesundheitspsychologie spielt dabei eine wichtige Rolle bei der Ausbildung von Fachkräften in Gesundheitsberufen, indem sie die patientenzentrierte Versorgung fördert. Dadurch wird das Selbstmanagement der Patienten/Patientinnen erleichtert, was wiederum zu einer höheren Kontrolle über die eigene Gesundheit führt und dabei hilft, bessere Entscheidungen treffen zu können. Dazu gehören auch die Untersuchung des Kommunikationsstils von Fachkräften des Gesundheitswesens und die Suche nach Möglichkeiten, den Stil besser auf die Bedürfnisse der Patienten/Patientinnen abzustimmen. Mit diesen genannten Massnahmen kann die Gesundheitsversorgung verbessert werden. Als Beispiel trainieren Gesundheitspsychologen und -psychologinnen in verschiedenen Ländern Studierende der Medizin an akademischen Krankenhäusern in den oben genannten Fähigkeiten.

Gesundheitspsychologen und –psychologinnen erreichen

Wenn Sie in Ihrer Arbeit mit den oben beschriebenen Sachverhalten zu tun haben und Sie gerne über die neuesten Entwicklungen in diesem Bereich informiert werden möchten, schlagen wir vor, dass Sie ein Auge auf unseren Blog Angewandte Gesundheitspsychologie werfen. Falls Sie darüber hinaus praktische Hilfe benötigen, zögern Sie nicht, den Kontakt zu einem Gesundheitspsychologie-Department in Ihrem eigenen Land zu suchen, um zu sehen, ob dieses weiterhelfen kann. Von der Beantwortung einer kurzen Frage bis hin zu einer Zusammenarbeit in z.B. einem Gesundheitsförderungsprojekt ist alles vorstellbar.

Eine Übersicht der Kontaktpersonen finden Sie hier:

Deutschland: http://www.gesundheitspsychologie.net/index.php/de/

Schweiz: http://www.healthpsychology.ch/

Österreich: www.boep.or.at/berufsverband/fachsektionen/gesundheitspsychologi

Translated by: Theda Radtke; Rossella Falcone