{"id":846,"date":"2018-03-07T08:21:36","date_gmt":"2018-03-07T08:21:36","guid":{"rendered":"http:\/\/practicalhealthpsychology.com\/?p=846"},"modified":"2025-11-04T14:40:40","modified_gmt":"2025-11-04T14:40:40","slug":"planning-theory-and-evidence-based-behavior-change-interventions-intervention-mapping","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/2018\/03\/planning-theory-and-evidence-based-behavior-change-interventions-intervention-mapping\/","title":{"rendered":"Planung von theorie- und evidenzbasierten Interventionen zur Verhaltens\u00e4nderung: Intervention Mapping"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Gerjo Kok, Universit\u00e4t Maastricht, Niederlande; Universit\u00e4t Texas in Houston, USA<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt derzeit eine breite Auswahl an Kampagnen und Interventionen zur Verbesserung der \u00f6ffentlichen Gesundheit und zur \u00c4nderung von Gesundheitsverhalten, aber viele davon sind nicht &#8220;theorie- und evidenzbasiert&#8221;. Dieser Beitrag wird kurz die Prozesse beschreiben, die Gesundheitspsychologen und Gesundheitspsychologinnen bei der Entwicklung von Interventionen vornehmen, und hervorheben, wie diese sich von \u00e4hnlichen, anderweitig durchgef\u00fchrten Prozessen unterscheiden (und diese verbessern).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Schritte<\/strong><\/p>\n<p>Die Planung von Interventionen zur Verhaltens\u00e4nderung ist ein schrittweiser Prozess, bei dem h\u00e4ufig zwei Schritte vorw\u00e4rts und ein Schritt zur\u00fcck get\u00e4tigt werden. Dies ist besonders wichtig, da jeder Schritt auf den vorherigen Schritten aufbaut und Unachtsamkeit gegen\u00fcber einem Schritt zu Fehlern und unangebrachten Entscheidungen in einem anderen Schritt f\u00fchren kann. Das so genannte Protokoll des <u>Intervention Mapping (IM) <\/u> identifiziert <u>sechs Schritte in der Interventionsentwicklung<\/u>, die dem\/der Planenden helfen eine Intervention auf der Basis von Theorie und Befundlage zu entwerfen:<\/p>\n<p><strong>Schritt 1: Bedarfsanalyse<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Schritt beurteilt eine Planungsgruppe, bestehend aus allen beteiligten Parteien &#8211; einschlie\u00dflich Zielpopulation, Interessengruppen, Experten und Expertinnen, Forschenden und zuk\u00fcnftigen Implementierenden &#8211; das Problem. Dies umfasst die Identifizierung der Verhaltens- und Umweltursachen des Problems sowie die Determinanten dieser Verhaltens- und Umweltursachen. Diese Teile k\u00f6nnen dann in einem &#8221; logischen Modell&#8221; des Problems dargestellt werden &#8211; wie das (vereinfachte) Modell unten zur STI \/ HIV-Pr\u00e4vention bei Jugendlichen &#8211; das ein klares Bild davon bietet, wie die verschiedenen Teile zusammenpassen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-876 size-full\" src=\"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Slide1-7.jpg\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"540\" srcset=\"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Slide1-7.jpg 720w, https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Slide1-7-300x225.jpg 300w, https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Slide1-7-230x173.jpg 230w, https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Slide1-7-350x263.jpg 350w, https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Slide1-7-480x360.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/p>\n<p><strong>Schritt 2: Ziele identifizieren<\/strong><\/p>\n<p>Sobald das Problem und seine Ursachen klar definiert sind, k\u00f6nnen auch spezifische Ergebnisse und Ziele des Interventionsprogramms definiert werden. Dies beinhaltet festzulegen, wie die Determinanten der Verhaltensweisen vom Individuum und der Umweltvertretenden (Entscheidungstragenden) ge\u00e4ndert werden m\u00fcssen, um das Problem zu verringern. Zum Beispiel, um die Kondomnutzung bei Jugendlichen zu erh\u00f6hen, sollte die Intervention gem\u00e4ss dem logischen Modell oben die Risikowahrnehmung sowie die wahrgenommene Wirksamkeit von Kondomen erh\u00f6hen. Die Intervention sollte wenn m\u00f6glich auch den Partner oder die Partnerin direkt beeinflussen, in Kombination mit der Verbesserung der Selbstwirksamkeit f\u00fcr die Verhandlung von Jugendlichen. Schlie\u00dflich kann in Abh\u00e4ngigkeit von den bestehenden gesellschaftlichen Normen der Zugang zu Angeboten der Familienplanung erleichtert werden.<\/p>\n<p><strong>Schritt 3: Interventionsdesign<\/strong><\/p>\n<p>Eine koh\u00e4rente, durchf\u00fchrbare Intervention wird geplant. Es werden theoriebasierte Interventionsmethoden und praktische Anwendungen zur Ver\u00e4nderung von (Determinanten von) Verhalten ausgew\u00e4hlt, sowie Programmthemen, Komponenten, Umfang und Sequenz bestimmt. IM unterscheidet sogenannte Verhaltens\u00e4nderungsmethoden (oder -techniken), die sich als effektiv erwiesen haben, Determinanten von Verhalten und \/ oder Umweltursachen wirksam zu ver\u00e4ndern. Zum Beispiel kann die Risikowahrnehmung durch Szenario-basierte Risikoinformationen erh\u00f6ht werden. Die Selbstwirksamkeit kann durch Modelllernern und Feedback verbessert werden. \u00dcberzeugungsarbeit und Lobbying k\u00f6nnen die Entscheidungsfindung auf politischer Ebene beeinflussen. Alle diese Ver\u00e4nderungsmethoden erfordern eine \u00dcbersetzung in praktische Anwendungen unter Ber\u00fccksichtigung der theoretischen und evidenzbasierten Parametern. Ein Beispiel f\u00fcr das Modelllernen: Der\/Die Lernende identifiziert sich mit dem Modell, der\/die Lernende beobachtet, dass das Modell best\u00e4rkt wird, der\/die Lernende verf\u00fcgt \u00fcber ausreichend Selbstwirksamkeit und F\u00e4higkeiten f\u00fcr die Handlung und das Modell dient als Bew\u00e4ltigungsmodell anstelle eines Erfolgsmodells.<\/p>\n<p><strong>Schritt 4: Interventionsproduktion<\/strong><\/p>\n<p>Dies ist die eigentliche Umsetzung der Intervention. Die Programmstruktur wird verfeinert, und Nachrichten und Materialien werden entworfen, getestet und produziert. F\u00fcr das obige Beispiel wurde das niederl\u00e4ndische Programm &#8220;Long Live Love&#8221; entwickelt, umgesetzt und wiederholt gezeigt, dass gesch\u00fctzter Geschlechtsverkehr bei Jugendlichen in Schulen gef\u00f6rdert wird.<\/p>\n<p><strong>Schritt 5: Implementierungsplan<\/strong><\/p>\n<p>Ein Plan zur Programmimplementierung wird erstellt. Potenzielle Programmnutzende werden identifiziert, Leistungsziele und \u00c4nderungsziele f\u00fcr die Programmnutzung werden festgelegt und Implementierungsinterventionen werden entworfen, wiederum unter Verwendung der Schritte von IM. Beim Beispiel oben fokussierte die Intervention auf 14- bis 15- j\u00e4hrige Jugendliche in Schulen. Die Umsetzungsintervention zielte auf die Verbreitung an Schulen ab, die \u00dcbernahme durch die Schulleitungen und Lehrpersonen, die korrekte Umsetzung durch die Lehrpersonen und schlie\u00dflich die Institutionalisierung der Intervention durch die Schulleitungen und Schulvorst\u00e4nde.<\/p>\n<p><strong>Schritt 6: Bewertung des Wirksamkeitsplans<\/strong><\/p>\n<p>Die Entwicklung einer Intervention ist nicht das Ende des Weges. Es ist auch wichtig zu evaluieren, ob eine Intervention ihre Ziele erreicht hat (d.h. Wirksamkeitsevaluation) und ob die Intervention wie beabsichtigt umgesetzt wurde (d.h. Prozessevaluation). Die Aktivit\u00e4ten f\u00fcr die Schritte 5 und 6 sollten so fr\u00fch wie m\u00f6glich im Planungsprozess beginnen. Informationen aus diesen Bewertungen k\u00f6nnen dazu verwendet werden, Interventionen zu verfeinern und zu verbessern, indem zwischen den Schritten hin- und her gewechselt wird.<\/p>\n<p><strong>Weiter Blickwinkel<\/strong><\/p>\n<p>Die Planung von Interventionen zur Verhaltens\u00e4nderung sollte immer:<\/p>\n<p>(1) Verhaltenstheorien und -evidenz als Grundlage verwenden<\/p>\n<p>(2) Einen \u00f6kologischen Ansatz zur Beurteilung von und Intervention bei (Gesundheits-) Problemen w\u00e4hlen; und<\/p>\n<p>(3) Sicher stellen, dass Umweltvertreter in den Zielgruppen und andere relevante Interessengruppen teilnehmen.<\/p>\n<p>Ein Individuum mit einem Gesundheitsproblem ist Teil eines Systems, ebenso wie die m\u00f6gliche L\u00f6sung f\u00fcr das Gesundheitsproblem. Daher kann eine breite Beteiligung auf verschiedenen Ebenen eines Systems eine gr\u00f6ssere Spannbreite an F\u00e4higkeiten, Wissen und Fachkenntnissen zum Projekt beitragen und verbessern, wie anwendbar die Intervention im realen Umfeld ist und wie die Intervention am besten evaluiert werden kann.<\/p>\n<p><strong>Kernprozesse<\/strong><\/p>\n<p>IM schl\u00e4gt auch &#8220;Kernprozesse&#8221; vor &#8211; Schl\u00fcsselaktionen f\u00fcr die Anwendung von Theorie und Evidenz: Fragen stellen, Antworten sammeln, empirische Befunde durchsehen, auf Theorien zur\u00fcckgreifen und nutzen, den Bedarf an neuer Forschung identifizieren und hervorheben, und schlie\u00dflich eine Liste mit m\u00f6glichen Antworten formulieren.<\/p>\n<p>Gerade der Prozess Theorien abzurufen und anzuwenden stellt eine Herausforderung dar, f\u00fcr die Gesundheitspsychologen und Gesundheitspsychologinnen speziell ausgebildet sind. Auf der Suche nach Literatur zur Befundlage eines Themas wird der\/die Programmplanende auf theoretische Ideen sowie Konzepte sto\u00dfen, die mit Theorien in Verbindung stehen. Schlie\u00dflich k\u00f6nnen Planende Theorien verwenden, mit denen sie vertraut sind, zum Beispiel die Theorie des geplanten Verhaltens f\u00fcr Determinanten des Verhaltens oder Selbstregulationstheorien f\u00fcr Verhaltens\u00e4nderung.<\/p>\n<p><strong>Praktische Empfehlungen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Jeder Planungsgruppe einer Intervention zur Verhaltens\u00e4nderung sollte ein Experte\/eine Expertin der Verhaltenswissenschaft als Mitglied angeh\u00f6ren, z. B. einen gut ausgebildeten Gesundheitspsychologen\/eine gut ausgebildete Gesundheitspsychologin.<\/li>\n<li>Bei der Entwicklung von Interventionen zur Verhaltens\u00e4nderung sollte Theorie und Evidenz genutzt, ein Systemansatz verwendet und die Teilnahme an der Intervention verbessert werden.<\/li>\n<li>Die Planung von Interventionen zur Verhaltens\u00e4nderung ist ein schrittweiser Prozess, bei dem jeder Schritt auf den vorhergehenden aufbaut. Das IM-Protokoll kann dabei helfen die Benutzenden durch diese Schritte zu f\u00fchren.<\/li>\n<li>Die &#8220;Kernprozesse&#8221; k\u00f6nnen dem Gesundheitspsychologen\/der Gesundheitspsychologin helfen, theoretische Antworten f\u00fcr Planungsfragen zu finden.<\/li>\n<li>Besonders relevant f\u00fcr die Interventionsplanung sind: Identifizierung ver\u00e4nderbarer und wichtigen Determinanten von Verhalten unter Ber\u00fccksichtigung der theoretischen Parameter, die Methoden der Verhaltens\u00e4nderung wirksam machen, und um sicherzustellen dass die Intervention wie geplant umgesetzt wird.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>By Gerjo Kok, Maastricht University, the Netherlands; University of Texas at Houston, USA A wide range of campaigns and interventions to improve public health and change health behaviors currently exists, but many of these are not \u201ctheory- and evidence-based\u201d. 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