{"id":761,"date":"2017-11-22T11:52:03","date_gmt":"2017-11-22T11:52:03","guid":{"rendered":"http:\/\/practicalhealthpsychology.com\/?p=761"},"modified":"2025-11-04T14:43:32","modified_gmt":"2025-11-04T14:43:32","slug":"very-brief-interventions","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/2017\/11\/very-brief-interventions\/","title":{"rendered":"\u201eSehr kurze\u201c Interventionen zur Verhaltens\u00e4nderung in Gesundheitseinrichtungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Stephen Sutton, University of Cambridge, England<\/strong><\/p>\n<p>Umfangreiche Probleme erfordern auch umfangreiche L\u00f6sungen. Die Bew\u00e4ltigung der sogenannten &#8220;Big 4&#8221; der gesundheitssch\u00e4digenden Verhaltensweisen (k\u00f6rperliche Inaktivit\u00e4t, Tabakkonsum, \u00fcberm\u00e4ssiges Essverhalten und exzessiver Alkoholkonsum) erfordert durchf\u00fchrbare Interventionen, die eine grosse Anzahl an Personen erreichen k\u00f6nnen, um bedeutsame Auswirkungen auf die \u00f6ffentliche Gesundheit zu erzielen. Ein vielversprechender Ansatz besteht darin, kurze Interventionen von Praktizierenden des Gesundheitswesens anzuwenden. Im Vereinigten K\u00f6nigreich England beispielsweise wird vom <a href=\"http:\/\/www.nice.org.uk\/guidance\/ph44\">National Institute f\u00fcr Gesundheit und Pflegeexcellence<\/a> empfohlen, dass Haus\u00e4rzte und -\u00e4rztinnen eine massgeschneiderte &#8220;kurze&#8221; Beratung f\u00fcr k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t an inaktive Erwachsene anbieten und dass sie diese w\u00e4hrend den folgenden Arztterminen verfolgen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr die Effektivit\u00e4t von kurzen Intervention gibt es <a href=\"http:\/\/bjsm.bmj.com\/content\/50\/7\/408\">Evidenz<\/a>. Ein Problem bei der Interpretation dieser Befunde besteht jedoch darin, dass <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/28232098\">unterschiedliche Definitionen<\/a> von &#8220;Kurzberatungen&#8221; oder &#8220;Kurzinterventionen&#8221; existieren. Beispielsweise wurde in <a href=\"https:\/\/www.nice.org.uk\/guidance\/ph44\/evidence\/review-of-effectiveness-and-barriers-and-facilitators-pdf-69102685\">einem Review<\/a> eine Kurzberatung durch folgende Merkmale definiert: &#8220;weniger als 30 Minuten Dauer, oder in einer einzelnen Sitzung durchgef\u00fchrt (weitere Folgetermine sind nur als zus\u00e4tzliche Kontakte erlaubt)\u201c. Viele dieser &#8220;kurzen&#8221; Interventionen sind zeitlich zu lang, um in die routinem\u00e4ssige Grundversorgungskonsultation einbezogen zu werden. In unserer Arbeit haben wir uns deshalb darauf konzentriert, &#8220;sehr kurze&#8221; Interventionen zu entwickeln und zu evaluieren. Diese \u201esehr kurzen\u201c Interventionen werden definiert als eine einzige Sitzung, die nicht l\u00e4nger als f\u00fcnf Minuten dauert, um z.B. k\u00f6rperliche Inaktivit\u00e4t zu adressieren. Diese Art von Intervention k\u00f6nnte in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen eingesetzt werden. In unserer Forschung haben wir jedoch ein Programm speziell f\u00fcr den National Health Service (NHS) in England entwickelt. Im Rahmen des Programms werden Erwachsene im Alter von 40 bis 74 Jahren, welche nicht in einem Krankheitsregister aufgef\u00fchrt sind, eingeladen, sich alle f\u00fcnf Jahre einem Gesundheitscheck der inneren Gef\u00e4sse zu unterziehen. Die meisten dieser Gesundheitschecks finden im Rahmen der Grundversorgung statt und werden von Krankenpfleger\/-innen und Pflegeassistenten\/-innen durchgef\u00fchrt. Sie bieten eine ideale Gelegenheit, um potenziell Millionen von Menschen eine sehr kurze Verhaltens\u00e4nderungsintervention zu \u00fcbermitteln.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Entwicklung der \u201esehr kurzen\u201c <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/25887643\">Interventionen<\/a> verwendeten wir einen iterativen Ansatz, der Erkenntnisse und Expertisen aus verschiedenen Quellen kombinierte, einschliesslich systematischer Reviews, einer Stakeholder-Konsultation, einer qualitativen Studie, der Sch\u00e4tzung von Ressourcenkosten und Teamdiskussionen. Wir haben den Inhalt der \u201esehr kurzen\u201c Interventionen in Bezug auf <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/23512568\">Verhaltens\u00e4nderungstechniken<\/a> spezifiziert. Zum Beispiel beinhaltete unsere <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/27350131\">Schrittz\u00e4hler-basierte \u201esehr kurze\u201c Intervention<\/a> neun verschiedene Verhaltens\u00e4nderungstechniken, einschliesslich Zielsetzung (Verhalten), Ausf\u00fchrungsplanung und Selbst\u00fcberwachung des eigenen Verhaltens. Diese Verhaltens\u00e4nderungstechniken wurden implementiert, indem den Teilnehmenden ein Schrittz\u00e4hler und ein Schrittdiagramm mit m\u00fcndlichen Anweisungen wie &#8220;Jede Woche k\u00f6nnen Sie sich ein Schrittziel setzen, zum Beispiel 6000 Schritte pro Tag, und dann k\u00f6nnen Sie jeden Tag aufschreiben, wie viele Schritte Sie gegangen sind und ob Sie ihr Ziel erreicht haben&#8221; \u00fcberreicht wurden. Zus\u00e4tzlich haben wir ein dreist\u00fcndiges Training und ein Handbuch f\u00fcr Praktizierende entwickelt.<\/p>\n<p>Solche \u201esehr kurzen\u201c, auf Verhaltens\u00e4nderungstechniken basierende Interventionen sollten von einfachen &#8220;Ratgebern&#8221; unterschieden werden. Ratgeber beinhalten normalerweise Ermunterungen, das Verhalten zu \u00e4ndern, Informationen \u00fcber die Sch\u00e4den der k\u00f6rperlichen Inaktivit\u00e4t oder \u00fcber Vorteile, aktiver zu sein. Auch wenn dies wichtig ist, kann es sehr hilfreich sein, Techniken wie Zielsetzung und Selbst\u00fcberwachung in Interventionen einzubeziehen, da diese dazu dienen Menschen zu helfen, ihr Verhalten zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Wir konnten zeigen, dass es m\u00f6glich ist, sehr kurze Interventionen in Gesundheitschecks aufzunehmen und dass sie f\u00fcr Praktizierende und Patienten und Patientinnen attraktiv sind. Unsere ersten Ergebnisse zur Wirksamkeit sind sehr vielversprechend. Die <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/27716297\">Schrittz\u00e4hler-basierte \u201esehr kurze\u201c Intervention<\/a> hat basierend auf objektiv gemessener k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t (mit einem Beschleunigungsmesser) eine gesch\u00e4tzte Wahrscheinlichkeit von 73% wirksam zu sein (d.h. eine Erh\u00f6hung der k\u00f6rperlichen Aktivit\u00e4t der Interventionsgruppe im Vergleich zu einer Kontrollbedingung ohne Intervention). Als wir diese \u201esehr kurze\u201c Intervention in einem gr\u00f6\u00dferen Versuch (<em>N<\/em> = 1.007) testeten, hatte diese jedoch nur noch einen kleinen, nicht signifikanten positiven Effekt auf die objektiv gemessene k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t nach drei Monaten. Trotzdem l\u00e4sst eine \u00f6konomische Bewertung vermuten, dass die Intervention im Vergleich zu einem NHS-Gesundheitscheck alleine, langfristig mit einer Wahrscheinlichkeit von 60% kosteng\u00fcnstiger ist. So kann eine \u201esehr kurze\u201c Intervention besser sein, als nichts zu tun.<\/p>\n<p>Es besteht die M\u00f6glichkeit, die Wirksamkeit sehr kurzer Interventionen durch den Einbezug zus\u00e4tzlicher Interventionskomponenten zu erh\u00f6hen. Die Herausforderung besteht darin, dies ohne eine Erh\u00f6hung der Kosten zu erreichen. Ein Ansatz besteht darin, eine \u201esehr kurze\u201c pers\u00f6nliche Intervention, die von einem\/-r Praktizierenden durchgef\u00fchrt wird, mit einer &#8220;digitalen&#8221; Intervention, die dem Patienten eine kontinuierliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr Verhaltens\u00e4nderungen bietet, zu kombinieren. Die Kombination von Face-to-Face- und digitalen Komponenten kann effektiver sein als jede f\u00fcr sich alleine. Wir haben eine Version dieses Interventionsmodells in unserer Arbeit zur <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC4309513\/\">Verbesserung der Quote von Nichtrauchen<\/a>den in der Grundversorgung eingesetzt, bei der die digitale Komponente aus einem 90-t\u00e4gigen Programm mit massgeschneiderten Textnachrichten bestand, die an das Mobiltelefon des Rauchenden gesendet wurden.<\/p>\n<p><strong>Empfehlungen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Es gibt Belege f\u00fcr die Wirksamkeit von kurzen Interventionen, um Verhaltensweisen wie Rauchen und k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t zu \u00e4ndern. Viele dieser Interventionen sind jedoch zu lang, um in Routine-Konsultationen mit Patienten aufgenommen zu werden.<\/li>\n<li>Betrachten sollte man stattdessen \u201esehr kurze\u201c Interventionen, die nicht l\u00e4nger als f\u00fcnf Minuten dauern. Deren Wirksamkeit scheint zwar schw\u00e4cher zu sein als f\u00fcr kurze Interventionen. Aber eine \u201esehr kurze\u201c Intervention zu \u00fcbermitteln ist wahrscheinlich besser, als \u00fcberhaupt nicht einzugreifen.<\/li>\n<li>Anstatt nur &#8220;Ratschl\u00e4ge zu geben&#8221;, denken Sie an \u201esehr kurze\u201c Interventionen, die eine oder mehrere Verhaltens\u00e4nderungstechniken einschliessen. Zum Beispiel kann es hilfreich sein, die Patienten und Patientinnen zu bitten, ihre Verhaltensweisen zu \u00fcberwachen oder einen spezifischen Handlungssplan zu erstellen, indem sie aufschreiben, wann, wo und wie sie Ihre k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t erh\u00f6hen oder wann, wo und wie sie verlockende Snacks vermeiden.<\/li>\n<li>Die &#8220;Wegweisung&#8221; von Patienten und Patientinnen zu n\u00fctzlichen Ressourcen (z. B. eine Smartphone-App oder eine lokale Wandergruppe) ist schnell erledigt und kann die Wirkung der Intervention verbessern. Die Vereinbarung eines Folgetermins kann ebenfalls hilfreich sein.<\/li>\n<li>Stellen Sie sicher, dass jeder Kontakt z\u00e4hlt. Jedes Mal, wenn Sie einen Patienten oder eine Patientin sehen, haben Sie die M\u00f6glichkeit, etwas \u00fcber Verhaltens\u00e4nderungen zu sagen. Die additive Wirkung vieler Praktizierenden, die sehr kurze Interventionen bei vielen Patienten und Patientinnen durchf\u00fchren, kann erhebliche Auswirkungen auf die \u00f6ffentliche Gesundheit haben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00dcbersetzt von Theda Radtke und Rossella Falcone<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>By Stephen Sutton, University of Cambridge, England Large-scale problems require large-scale solutions. Tackling the \u2018Big 4\u2019 behaviours (physical inactivity, tobacco use, excessive consumption of food and alcohol) requires scalable interventions that can reach large numbers of people to achieve a [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":778,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"_uf_show_specific_survey":0,"_uf_disable_surveys":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-761","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interventions"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"de","enabled_languages":["en","id","my","bg","zh","hr","cz","da","de","es","fr","gr","he","it","ja","kr","lv","lt","hu","nl","no","pl","pt","ro","ru","sk","fi","sv","tr","uk"],"languages":{"en":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"id":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"my":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"bg":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"zh":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"hr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"cz":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"da":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"es":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"fr":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"gr":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"he":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"it":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"ja":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"kr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"lv":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"lt":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"hu":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"nl":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"no":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"pl":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"pt":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"ro":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"ru":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"sk":{"title":false,"content":true,"excerpt":false},"fi":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"sv":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"tr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"uk":{"title":true,"content":true,"excerpt":false}}},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=761"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/761\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4638,"href":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/761\/revisions\/4638"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/778"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}