{"id":5447,"date":"2026-08-28T10:51:54","date_gmt":"2026-08-28T10:51:54","guid":{"rendered":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/?p=5447"},"modified":"2026-08-28T11:10:38","modified_gmt":"2026-08-28T11:10:38","slug":"when-mental-health-gets-in-the-way-of-exercise-meeting-people-where-they-are","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/2026\/08\/when-mental-health-gets-in-the-way-of-exercise-meeting-people-where-they-are\/","title":{"rendered":"Wenn psychische Beschwerden k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t erschweren: Menschen in ihrer aktuellen Situation unterst\u00fctzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Amanda L. Rebar, University of South Carolina, USA<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">K\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t wird zunehmend als Bestandteil der Versorgung bei psychischen Beschwerden empfohlen \u2013 und das aus gutem Grund. Die Evidenz ist \u00fcberzeugend: Regelm\u00e4ssige k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t kann Symptome von <\/span><a href=\"https:\/\/bjsm.bmj.com\/content\/bjsports\/60\/8\/590.full.pdf?casa_token=Klsz7JG52W8AAAAA:8C5fQDsjGKxMvz5EJd7Iua_sLBaWZbIQ9MsyYTZ9lefloS9Kd8hQ0TbnyVnRGwxBm1AmBEbDMQ\"><span style=\"font-weight: 400;\">Depression und Angst<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> reduzieren, das <\/span><a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/17437199.2025.2590489?casa_token=Q06ng0TzsIkAAAAA%3AjPSuyloCe5xZ61WWuwcsiTWO8TfWsTW_0sz53wQkVAs9OaAqxlZw7kB8Nw5saCQ5OKQI0rgySqA\"><span style=\"font-weight: 400;\">Wohlbefinden verbessern<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> und <\/span><a href=\"https:\/\/bjsm.bmj.com\/content\/57\/18\/1203?ref=popsugar.com&amp;=___psv__p_49400065__t_w__r_www.popsugar.com%2Ffitness%2Ftrauma-informed-workouts-49400065_\"><span style=\"font-weight: 400;\">psychologische und pharmakologische Behandlungen erg\u00e4nzen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Zentrum der F\u00f6rderung k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t f\u00fcr die psychische Gesundheit steht jedoch eine praktische Frage: Wie k\u00f6nnen wir Menschen dabei unterst\u00fctzen, k\u00f6rperlich aktiv zu sein, wenn psychische Beschwerden gerade die Motivation und die daf\u00fcr n\u00f6tigen Ressourcen beeintr\u00e4chtigen?<\/span><\/p>\n<p><b>Wenn Symptome zu Barrieren f\u00fcr k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t werden<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Forschung weist zunehmend darauf hin, dass psychische Symptome nicht nur Hindernisse f\u00fcr k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t sind. Sie sind vielmehr Teil des Prozesses selbst, indem sie <\/span><a href=\"https:\/\/jamanetwork.com\/journals\/jamapsychiatry\/fullarticle\/2720689\"><span style=\"font-weight: 400;\">Motivation und F\u00e4higkeit zu k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t beeinflussen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Bei Menschen mit Depression, Angst oder hoher Stressbelastung k\u00f6nnen die Symptome selbst zu wichtigen Einflussfaktoren des Bewegungsverhaltens werden. <\/span><a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41398-024-02922-y\"><span style=\"font-weight: 400;\">Depression<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> kann Energie verringern, allt\u00e4gliche Aufgaben anstrengender erscheinen lassen und die Freude an Aktivit\u00e4ten mindern, die fr\u00fcher als wertvoll erlebt wurden. <\/span><a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/full\/10.1002\/da.22043?casa_token=uQcE7pDbb_QAAAAA%3AZRi_1QeNtu5Xpuozwz_kgwxfIzwXh0JiHhmtPdl6TUJzwSRrPLBXN4L4_cV9_H08cR85sD6Osxm-4g\"><span style=\"font-weight: 400;\">Angst<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> kann soziale Situationen, ungewohnte Umgebungen oder auch die k\u00f6rperlichen Empfindungen w\u00e4hrend sportlicher Aktivit\u00e4t unangenehm oder bedrohlich erscheinen lassen. <\/span><a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC5003767\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Stress<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> kann die Aufmerksamkeit auf unmittelbar anstehende Anforderungen verengen, sodass f\u00fcr l\u00e4ngerfristige Gesundheitsziele weniger mentale Kapazit\u00e4t bleibt.<\/span><\/p>\n<p><b>K\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t trotz schwankender Symptome unterst\u00fctzen<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Psychische Symptome beeinflussen damit nicht nur das Befinden, sondern auch, ob Menschen Verhaltensweisen umsetzen k\u00f6nnen, die ihre psychische Gesundheit unterst\u00fctzen. Diese Perspektive verschiebt den Fokus: weg von der blossen Empfehlung k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t und hin zur Unterst\u00fctzung bei ihrer tats\u00e4chlichen Umsetzung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie k\u00f6nnen Fachpersonen Menschen also dabei unterst\u00fctzen, mit k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t verbunden zu bleiben, wenn Symptome die Teilnahme erschweren?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein sinnvoller Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass <\/span><a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41398-023-02669-y.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">psychische Gesundheit selten statisch ist.<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> Symptome ver\u00e4ndern sich im Zeitverlauf \u2013 und damit auch die F\u00e4higkeit einer Person, k\u00f6rperlich aktiv zu sein. Wer in einer Woche aktiv und engagiert ist, kann dieselbe Aktivit\u00e4t in der n\u00e4chsten Woche als deutlich schwieriger erleben. Solche Ver\u00e4nderungen spiegeln h\u00e4ufig schwankende Symptome und Lebensumst\u00e4nde wider und nicht mangelndes Engagement.<\/span><\/p>\n<p><b>R\u00fcckschl\u00e4ge als Information statt als Scheitern verstehen<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Diese Sichtweise hilft Fachpersonen, Unterbrechungen oder R\u00fcckg\u00e4nge der k\u00f6rperlichen Aktivit\u00e4t nicht vorschnell als Scheitern zu bewerten. Wenn eine geplante Aktivit\u00e4t nicht stattfindet, liefert das zun\u00e4chst Informationen. Statt zu fragen, warum jemand einen Plan nicht eingehalten hat, ist es oft hilfreicher zu kl\u00e4ren, was die Umsetzung erschwert hat. War das Ziel angesichts der Symptome in dieser Woche zu anspruchsvoll? War die Aktivit\u00e4t wegen Ersch\u00f6pfung zu belastend? Hatten andere Anforderungen Vorrang? Oder wurde die Aktivit\u00e4t schlicht als unangenehm oder \u00fcberw\u00e4ltigend erlebt? Ein besseres Verst\u00e4ndnis dieser Barrieren kann Fachpersonen und Patientinnen und Patienten dabei helfen, k\u00fcnftige Pl\u00e4ne anzupassen, statt sie ganz aufzugeben.<\/span><\/p>\n<p><b>Weniger von Motivation und Selbstkontrolle abh\u00e4ngig sein<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Eine zweite Konsequenz ist, dass Unterst\u00fctzung nicht vollst\u00e4ndig auf Motivation beruhen sollte. Motivation schwankt nat\u00fcrlicherweise, besonders in Phasen st\u00e4rkerer psychischer Belastung. Fachpersonen k\u00f6nnen Rahmenbedingungen mitgestalten, die es erleichtern, k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t zu beginnen und aufrechtzuerhalten.<\/span><\/p>\n<p><b>Aktivit\u00e4tsziele an ver\u00e4nderte Bed\u00fcrfnisse anpassen<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Flexible Ziele, klare Handlungspl\u00e4ne, unterst\u00fctzende Umgebungen und verl\u00e4ssliche Routinen k\u00f6nnen die Abh\u00e4ngigkeit von momentaner Motivation verringern. So k\u00f6nnen <\/span><a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/17437199.2025.2467695\"><span style=\"font-weight: 400;\">Ziele<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> flexibel genug gestaltet werden, um ver\u00e4nderte Symptome zu ber\u00fccksichtigen. <\/span><a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/08870446.2023.2241777\"><span style=\"font-weight: 400;\">Handlungspl\u00e4ne <\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">k\u00f6nnen k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t zudem mit konkreten Ausl\u00f6sern und Gelegenheiten im Alltag verkn\u00fcpfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wichtig: Das bedeutet nicht, die Erwartungen grunds\u00e4tzlich zu senken. Es bedeutet vielmehr anzuerkennen, dass Fortschritt selten geradlinig verl\u00e4uft. In schwierigeren Phasen kann Erfolg darin bestehen, eine Routine beizubehalten, einen kurzen Spaziergang zu machen oder eine andere gut bew\u00e4ltigbare Form von Bewegung aufrechtzuerhalten. Wenn die Symptome weniger belastend sind, k\u00f6nnen Ziele erweitert und der Aktivit\u00e4tsumfang gesteigert werden.<\/span><\/p>\n<p><b>Warum Freude an der Aktivit\u00e4t wichtig ist<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schliesslich sollte der Freude an k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t mehr Aufmerksamkeit zukommen. Aktuelle Befunde deuten darauf hin, dass <\/span><a href=\"https:\/\/bjsm.bmj.com\/content\/60\/4\/267.abstract\"><span style=\"font-weight: 400;\">k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t in der Freizeit st\u00e4rker mit psychischer Gesundheit zusammenh\u00e4ngt als Aktivit\u00e4t in anderen Lebensbereichen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. Das unterstreicht, dass der Kontext eine Rolle spielt. Aktivit\u00e4ten, die als angenehm, bedeutsam und selbstbestimmt erlebt werden, lassen sich m\u00f6glicherweise leichter langfristig aufrechterhalten und k\u00f6nnen f\u00fcr die psychische Gesundheit g\u00fcnstiger sein als Aktivit\u00e4ten, die ausschliesslich deshalb ausgef\u00fchrt werden, weil sie als gesund gelten. Menschen dabei zu unterst\u00fctzen, Bewegungsformen zu finden, die ihnen tats\u00e4chlich wichtig sind, kann daher ebenso bedeutsam sein wie das Erreichen eines bestimmten Aktivit\u00e4tsziels.<\/span><\/p>\n<p><b>Menschen in ihrer aktuellen Situation unterst\u00fctzen<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Diese Prinzipien beschreiben, was es bedeutet, Menschen in ihrer jeweiligen Situation zu unterst\u00fctzen: nicht Erwartungen aufzugeben oder Ziele fallen zu lassen, sondern die Unterst\u00fctzung an wechselnde Symptome, Lebensumst\u00e4nde und M\u00f6glichkeiten anzupassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">K\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t kann ein wirksames Mittel zur Unterst\u00fctzung der psychischen Gesundheit sein. Die Empfehlung allein ist jedoch nur der Anfang. Die eigentliche Herausforderung <\/span><a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S1755296617301539\"><span style=\"font-weight: 400;\">und zugleich die Chance<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> f\u00fcr Fachpersonen besteht darin, Menschen dabei zu helfen, mit k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t verbunden zu bleiben, wenn Symptome die Teilnahme erschweren. Die aktuelle Situation einer Person zu ber\u00fccksichtigen, die Unterst\u00fctzung bei ver\u00e4nderten Umst\u00e4nden anzupassen und R\u00fcckschl\u00e4ge als Lerngelegenheiten zu nutzen, kann ebenso wichtig sein wie die Empfehlung zur k\u00f6rperlichen Aktivit\u00e4t selbst.<\/span><\/p>\n<p><b>Praktische Empfehlungen<\/b><\/p>\n<ol>\n<li><b> Mit Schwankungen rechnen statt mit gleichbleibender Entwicklung.<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Psychische Symptome, Motivation und Energieniveau ver\u00e4ndern sich im Zeitverlauf. Besprechen Sie k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t als etwas, das von Woche zu Woche angepasst werden kann, statt eine stetige, lineare Entwicklung zu erwarten.<\/span><\/li>\n<li><b> R\u00fcckschl\u00e4ge als Information statt als Scheitern verstehen.<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Wenn k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t nicht wie geplant stattfindet, sollte gemeinsam gekl\u00e4rt werden, was die Umsetzung erschwert hat. War das Ziel angesichts der aktuellen Symptome zu anspruchsvoll? Gab es konkurrierende Anforderungen, Barrieren in der Umgebung oder fehlende Freude an der Aktivit\u00e4t? Nutzen Sie diese Informationen, um k\u00fcnftige Pl\u00e4ne anzupassen, statt sie aufzugeben.<\/span><\/li>\n<li><b> Pl\u00e4ne entwickeln, die nicht vollst\u00e4ndig von Motivation abh\u00e4ngen.<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Unterst\u00fctzen Sie Menschen dabei, einfache Routinen, Ausl\u00f6ser und Handlungspl\u00e4ne zu identifizieren, die den Beginn k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t erleichtern \u2013 besonders an schwierigeren Tagen. Ziel ist nicht, Motivation zu maximieren, sondern die Abh\u00e4ngigkeit von Selbstkontrolle zu verringern.<\/span><\/li>\n<li><b> Kontinuit\u00e4t vor Steigerung priorisieren.<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">In Phasen st\u00e4rkerer psychischer Belastung kann es wichtiger sein, den Bezug zu k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t aufrechtzuerhalten, als Richtwerte zu erreichen. Ein kurzer Spaziergang, eine vertraute Routine oder eine gut bew\u00e4ltigbare Bewegungsform k\u00f6nnen helfen, Zuversicht zu erhalten und eine Grundlage f\u00fcr sp\u00e4tere Fortschritte zu schaffen.<\/span><\/li>\n<li><b> Freude an der Aktivit\u00e4t als relevantes Ziel ber\u00fccksichtigen.<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Aktivit\u00e4ten, die als bedeutsam, befriedigend oder angenehm erlebt werden, werden eher langfristig beibehalten. Unterst\u00fctzen Sie Menschen dabei, Bewegungsformen zu finden, die ihnen tats\u00e4chlich wichtig sind, statt sich ausschliesslich darauf zu konzentrieren, was theoretisch optimal erscheint.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00dcbersetzt von: Walter Bierbauer<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Amanda L. Rebar, University of South Carolina, USA K\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t wird zunehmend als Bestandteil der Versorgung bei psychischen Beschwerden empfohlen \u2013 und das aus gutem Grund. 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