{"id":222,"date":"2016-12-19T11:33:37","date_gmt":"2016-12-19T11:33:37","guid":{"rendered":"http:\/\/practicalhealthpsychology.com\/?p=222"},"modified":"2025-11-04T14:50:11","modified_gmt":"2025-11-04T14:50:11","slug":"does-money-really-change-everything-using-financial-incentives-and-disincentives-to-change-health-behaviours","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/2016\/12\/does-money-really-change-everything-using-financial-incentives-and-disincentives-to-change-health-behaviours\/","title":{"rendered":"Ver\u00e4ndert Geld wirklich alles? Wie finanzielle Anreize Gesundheitsverhalten \u00e4ndern k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Jean Adams, <\/em><a href=\"http:\/\/www.cedar.iph.cam.ac.uk\/\"><em>Centre for Diet &amp; Activity Research<\/em><\/a><em>, University of Cambridge<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Seit Oktober letzten Jahres verlangt der Einzelhandel in Gro\u00dfbritannien gesetzlich 5 Penny (0.06\u20ac) pro <a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/publications\/single-use-plastic-carrier-bags-why-were-introducing-the-charge\/carrier-bags-why-theres-a-5p-charge\">Einweg-Plastikt\u00fcte<\/a> \u2013 diese d\u00fcnnen Einkaufst\u00fcten, die man dort im Supermarkt an der Kasse bekommt, um die Eink\u00e4ufe nach Hause zu transportieren. Das Geld wird laut Einzelhandel f\u00fcr \u201egute Zwecke\u201c gespendet. In den ersten sechs Monaten nach Einf\u00fchrung dieser Ma\u00dfnahme ging der Verbrauch dieser Plastikt\u00fcten bei den gro\u00dfen Supermarktketten <a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/publications\/carrier-bag-charge-summary-of-data-in-england-for-2015-to-2016\/single-use-plastic-carrier-bags-charge-data-in-england-for-2015-to-2016\">um mehr als 90 % zur\u00fcck<\/a> (das sind 7 Milliarden T\u00fcten weniger!) und mehr als 29 Millionen Pfund (32 Millionen Euro) wurden f\u00fcr gute Zwecke gespendet. Angesichts dieser Zahlen f\u00e4llt es schwer, nicht zu dem Schluss zu kommen, dass eine kleine finanzielle H\u00fcrde einen gro\u00dfen Einfluss auf unser Verhalten haben kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Funktionieren finanzielle Abschreckungen zur Ver\u00e4nderung von Gesundheitsverhalten?<\/strong><\/p>\n<p>Also warum nicht auch finanzielle Anreize und Abschreckungen einsetzen, um das Gesundheitsverhalten von Menschen zu ver\u00e4ndern? Diese Idee wird zunehmend gefragter. Einige L\u00e4nder in Mittel- und S\u00fcdamerika haben <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Oportunidades\">umfangreiche finanzielle Anreizprogramme<\/a> getestet, um M\u00fctter zu ermutigen, an Schwangerenf\u00fcrsorgema\u00dfnahmen teilzunehmen, ihre Kinder impfen zu lassen und sie zur Schule zu schicken. Jedes mal, wenn f\u00f6rderf\u00e4hige M\u00fctter eine der gew\u00fcnschten Verhaltensweisen des Programms erf\u00fcllten, erhielten sie eine direkte Bargeldzahlung von der Regierung. Es gibt mittlerweile <a href=\"http:\/\/apps.who.int\/rhl\/effective_practice_and_organizing_care\/CD008137_huntingtond_com\/en\/\">vielversprechende Hinweise<\/a> dahingehend, dass diese Programme positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern in L\u00e4ndern mit niedrigem und mittlerem Einkommen haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>L\u00e4nder mit h\u00f6herem Einkommen waren bei der Umsetzung der Idee, finanzielle Anreize f\u00fcr die Ver\u00e4nderung von Gesundheitsverhalten einzusetzen, bislang jedoch eher z\u00f6gerlich. Aber die Belege f\u00fcr deren Effektivit\u00e4t werden kontinuierlich mehr und nun kamen auch <a href=\"http:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article?id=10.1371\/journal.pone.0090347\">zwei<\/a> <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC4728181\/\">systematische \u00dcberblicksarbeiten<\/a> zu dem Schluss, dass solche Programme effektiv sein k\u00f6nnen und dass die Effekte auch einige Zeit nach Beendigung der Anreize noch wirken. Zudem gibt es nur <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3906839\/\">wenige Anhaltspunkte<\/a> daf\u00fcr, dass finanzielle Anreize die \u201einternale Motivation\u201c f\u00fcr gesundes Verhalten untergraben, und Anreize scheinen sogar f\u00fcr die so genannten \u201ekomplexen\u201c Verhaltensweisen, wie beispielsweise die <a href=\"http:\/\/www.bmj.com\/content\/350\/bmj.h134\">Raucherentw\u00f6hnung<\/a>, zu funktionieren, die normalerweise sehr schwierig zu ver\u00e4ndern sind.<\/p>\n<p><strong>Warum werden finanzielle Anreize f\u00fcr Gesundheitsverhaltens\u00e4nderungen in der Praxis nicht h\u00e4ufiger eingesetzt?<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend finanzielle Anreize f\u00fcr Gesundheitsverhalten in der Theorie &#8220;funktionieren&#8221;, k\u00f6nnen sie in der Praxis durchaus problematisch sein. Damit Interventionen ihr volles Potential entfalten k\u00f6nnen, <a href=\"http:\/\/journal.frontiersin.org\/article\/10.3389\/fpubh.2015.00200\/full\">m\u00fcssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen<\/a> &#8211; von den politischen Entscheidungstr\u00e4gerinnen und Entscheidungstr\u00e4gern, die solche Programmentw\u00fcrfe ausarbeiten, \u00fcber diejenigen, die die Intervention \u00fcbermitteln, bis zur \u00d6ffentlichkeit, und letztendlich zu den Empf\u00e4ngerinnen und Empf\u00e4ngern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/bmcpublichealth.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s12889-015-1409-y\">Wenn man mit Leuten \u00fcber m\u00f6gliche finanzielle Anreize redet<\/a>, um sie dazu zu bringen mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren, regelm\u00e4\u00dfig k\u00f6rperlich aktiv zu sein, <a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0264410X16002991\">sich impfen zu lassen<\/a> oder regelm\u00e4\u00dfig zur Krebsvorsorge zu gehen, trifft man eher auf negative Reaktionen. Sie gehen zwar schon davon aus, dass Menschen grunds\u00e4tzlich durch finanzielle Anreize dazu ermutigt werden k\u00f6nnten, mehr Gesundheitsverhalten auszu\u00fcben. Doch wird dies von einem starken Unwohlsein \u00fcberlagert, dass dies unfair w\u00e4re denjenigen gegen\u00fcber, die sich ohnehin schon \u201erichtig verhalten\u201c und die daf\u00fcr keine Anreize bek\u00e4men. Auch werden Bedenken ge\u00e4u\u00dfert, dass einige Menschen solche Anreizsysteme austricksen k\u00f6nnten, indem sie gesundes Verhalten lediglich berichten, um die Anreize unrechtm\u00e4\u00dfig einzuheimsen. Angesichts des momentanen finanziellen Klimas, geht man offensichtlich eher davon aus, dass sich finanzielle Anreize nicht rechnen k\u00f6nnen, und sie deshalb m\u00f6glichst klein gehalten werden sollten. Des Weiteren gibt es die Bedenken, dass die Empf\u00e4ngerinnen und Empf\u00e4nger ihre Boni f\u00fcr ungesunde Produkte ausgeben. <a href=\"https:\/\/bmcpublichealth.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s12889-016-3646-0\">Politische Entscheidungstr\u00e4gerinnen und Entscheidungstr\u00e4ger<\/a> sind zudem besorgt dar\u00fcber, dass Anreize die <a href=\"http:\/\/www.who.int\/social_determinants\/sdh_definition\/en\/\">weiterreichenden gesellschaftlichen Einfl\u00fcsse<\/a> auf ungesundes Verhaltens nicht bek\u00e4mpfen und dass diese Interventionen in der Politik und den Medien schwierig zu verteidigen sein d\u00fcrften.<\/p>\n<p>In all unseren qualitativen Studien zu diesem Thema hatten unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer alternative Vorschl\u00e4ge, wie zur Verbesserung des Gesundheitsverhaltens beigetragen werden k\u00f6nnte \u2013 vor allem nannten sie mehr Informationen und Bildung zum Thema Gesundheit, obwohl wir gar nicht nach Alternativvorschl\u00e4gen gefragt hatten. Es scheint daher so, dass das Angebot eines finanziellen Anreizes nicht die \u201eoffensichtliche\u201c L\u00f6sung f\u00fcr die meisten Menschen darstellt und dass sie meinen, es sollten zun\u00e4chst andere Wege beschritten werden.<\/p>\n<p>Interessanterweise finden wir jedoch ganz andere Ergebnisse, wenn wir Online-Umfragen durchf\u00fchren. Bereits in zwei Online Studien fanden wir, dass Menschen Programme zur Ver\u00e4nderung von Gesundheitsverhalten, die finanzielle Anreize mit sich bringen, <a href=\"http:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0157403\">genauso ansprechend<\/a> oder sogar <a href=\"http:\/\/www.journalslibrary.nihr.ac.uk\/hta\/volume-19\/issue-94\">ansprechender<\/a> finden, als Programme ohne Anreize. Vielleicht f\u00fchlen sich Menschen, durch die Anonymit\u00e4t des Internets gesch\u00fctzter und dadurch wohler ihre Gewinnorientierung auszudr\u00fccken. Mit Sicherheit kann man davon ausgehen, dass Verzerrungen durch \u201esoziale Erw\u00fcnschtheit\u201c entstehen, wenn sich Menschen in Fokusgruppen oder Interviews \u00fcber finanzielle Anreize \u00e4u\u00dfern sollen und ob sie diese akzeptabel finden.<\/p>\n<p>Verschiedene Kulturen und Kontexte scheine ebenfalls eine Rolle zu spielen und es gibt Hinweise darauf, dass finanzielle Anreize f\u00fcr ges\u00fcnderes Verhalten in den USA f\u00fcr akzeptabler gehalten werden, als in Gro\u00dfbritannien \u2013 vielleicht weil es in den USA normaler ist, Geld mit Gesundheit (und Gesundheitsversorgung) zu verkn\u00fcpfen, als in Gro\u00dfbritannien (welches ein nationales Gesundheitsversorgungssystem hat).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Empfehlungen f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/p>\n<p>Finanzielle Anreize k\u00f6nnen sicherlich ein effektiver Weg sein, um Menschen zu helfen, ihr Gesundheitsverhalten zu ver\u00e4ndern. Aber sie sind nicht gemeinhin akzeptiert. Jedes Anreizprogramm sollte daher mit der gebotenen Sorgfalt vorgehen und auf die Bedenken der Menschen bez\u00fcglich solcher Programme eingehen. Dies k\u00f6nnte beinhalten:<\/p>\n<ul>\n<li>Anbieten kleinerer finanzieller Anreize, um Bedenken, dass Geld \u201everschwendet\u201c wird, auszur\u00e4umen<\/li>\n<li>Anbieten von Einkaufsgutscheinen anstatt Bargeld, um zu vermeiden, dass die Boni f\u00fcr ungesunde Produkte ausgegeben werden<\/li>\n<li>Sicherstellen, dass die Programme gut beaufsichtigt werden, damit die Menschen das System nicht austricksen<\/li>\n<li>Anreize in gr\u00f6\u00dfer angelegte Programme einbetten, die auch Informationen und Bildungsma\u00dfnahmen zu gesundem Verhalten beinhalten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es k\u00f6nnte auch hilfreich sein, offene und ehrliche Gespr\u00e4che in Gemeinden zu f\u00fchren, um herauszufinden, wann, wo und wie finanzielle Anreizinterventionen angemessen sind.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Translation: Janine Schreck &amp; Lisa Marie Warner<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr Jean Adams,\u00a0Centre for Diet &amp; Activity Research, University of 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