{"id":1803,"date":"2020-11-10T15:29:11","date_gmt":"2020-11-10T15:29:11","guid":{"rendered":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/?p=1803"},"modified":"2025-11-04T14:14:41","modified_gmt":"2025-11-04T14:14:41","slug":"improving-the-delivery-of-brief-alcohol-advice-in-primary-care-views-from-both-sides-of-the-consultation-table","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/2020\/11\/improving-the-delivery-of-brief-alcohol-advice-in-primary-care-views-from-both-sides-of-the-consultation-table\/","title":{"rendered":"Verbesserung der Bereitstellung kurzer Alkoholberatungen in der Prim\u00e4rversorgung: Ansichten von beiden Seiten des Konsultationstisches"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Amy O\u2019Donnell, Newcastle Universit\u00e4t, Vereinigtes K\u00f6nigreich<\/strong><\/p>\n<p>In einigen Teilen Europas ist der Alkoholkonsum in letzter Zeit zur\u00fcckgegangen, insbesondere bei <a href=\"https:\/\/www.sheffield.ac.uk\/polopoly_fs\/1.806889!\/file\/Oldham_Holmes_Youth_drinking_in_decline_FINAL.pdf\">jungen Menschen<\/a>. \u00dcberm\u00e4ssiger Alkoholkonsum ist jedoch nach wie vor ein wichtiger Risikofaktor f\u00fcr einen schlechten Gesundheitszustand und einen fr\u00fchen Tod. Eine einfache, kurze Beratung f\u00fcr Personen, die als starke Trinker*innen identifiziert wurden, <a href=\"https:\/\/www.cochranelibrary.com\/cdsr\/doi\/10.1002\/14651858.CD004148.pub4\/full?cookiesEnabled\">kann dazu beitragen, die Menge des Alkoholkonsums zu verringern<\/a>. Insbesondere wenn sie von Personen der Prim\u00e4rversorgung, wie Allgemein\u00e4rzten und -\u00e4rztinnen oder Krankenpfleger*innen, durchgef\u00fchrt wird. Bei der <a href=\"https:\/\/www.euro.who.int\/__data\/assets\/pdf_file\/0006\/351294\/Alcohol-training-manual-final-edit-LSJB-290917-new-cover.pdf?ua=1\">Alkoholkurzberatung<\/a> handelt es sich um ein kurzes, evidenzbasiertes, strukturiertes Gespr\u00e4ch, das darauf abzielt eine Patientin oder einen Patienten zu motivieren und zu unterst\u00fctzen eine \u00c4nderung des Trinkverhaltens in Erw\u00e4gung zu ziehen, um ihr\/sein Schadensrisiko zu verringern. Wir haben die Hauptbestandteile dieser Gespr\u00e4che noch nicht vollst\u00e4ndig identifiziert, aber <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/full\/10.1111\/j.1360-0443.2012.03845.x\">besonders wirksam scheinen folgende Aspekte<\/a> zu sein: pers\u00f6nliches Feedback bez\u00fcglich dem Alkoholkonsum einer Patientin oder eines Patienten geben und sie\/ihn ermutigen den Alkoholkonsum selbst zu \u00fcberwachen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Evidenzbasierte Behandlungen und Interventionen in die Routineversorgung zu integrieren, ist jedoch eine langsame und heikle Angelegenheit. Einige Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass es durchschnittlich <a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/full\/10.1258\/jrsm.2011.110180#bibr-JRSM-11-0180C1\">17 Jahre<\/a> dauert bis Forschungsergebnisse ihren Weg in die t\u00e4gliche klinische Praxis finden. Nach drei Jahrzehnten Forschung, mehr als 70 randomisierten kontrollierten Studien und zahlreichen \u00dcbersichtsarbeiten zu ver\u00f6ffentlichten Studien werden in den weltweiten Systemen der prim\u00e4ren Gesundheitsversorgung immer noch keine kurzgefassten Beratungen zum Thema Alkohol routinem\u00e4ssig erteilt. Um zu verstehen, warum die Alkoholkurzberatung nicht vollst\u00e4ndig in die prim\u00e4re Gesundheitsversorgung integriert wurde, m\u00fcssen wir <a href=\"https:\/\/bmcpsychology.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s40359-015-0089-9\">viele verschiedene Perspektiven<\/a> des Problems ber\u00fccksichtigen, einschliesslich der Ansichten derjenigen, welche die Gesundheitsversorgung leisten (Klinikerinnen und Kliniker) und derjenigen, die sie in Anspruch nehmen (Patientinnen und Patienten).<\/p>\n<p>Was sagen uns also die Personen, die in der Prim\u00e4rversorgung an der Bereitstellung und Entgegennahme von Alkoholkurzberatungen beteiligt sind \u00fcber Herausforderungen, vor denen sie stehen?<\/p>\n<p>Zu den <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/jpubhealth\/article\/33\/3\/412\/1557958\">h\u00e4ufigen Problemen<\/a>, die von Haus\u00e4rztinnen oder Haus\u00e4rzten und Krankenpfleger*innen genannt werden, geh\u00f6rt, dass sie nicht gen\u00fcgend Zeit, Ausbildung oder finanzielle Ressourcen haben, um ihren Patient*innen eine Alkoholberatung anzubieten. Die Bereitstellung zus\u00e4tzlicher finazieller Mittel an Haus\u00e4rztinnen und Haus\u00e4rzte f\u00fcr Alkoholarbeit ist jedoch nicht unbedingt eine wirksame Umsetzungsstrategie. Eine k\u00fcrzlich durchgef\u00fchrte Studie ergab, dass die Einf\u00fchrung <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/full\/10.1111\/add.14778\">finanzieller Anreize<\/a> f\u00fcr die Alkoholberatung in der Englischen Prim\u00e4rversorgung fast keine Auswirkungen auf das Anbieten solcher Beratungen hatte. Andere Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Einstellungen und \u00dcberzeugungen der Klinikerinnen und Kliniker hinsichtlich der Relevanz, Sensibilit\u00e4t und des Gesamtwerts der Diskussion \u00fcber Alkohol in routinem\u00e4ssigen Patientinnen- und Patientenkonsultationen eine gr\u00f6ssere Rolle bei der Gestaltung ihrer Behandlungsweise spielen k\u00f6nnten. Beispielsweise bezweifeln einige Allgemeinmediziner*innen, dass ihre Patient*innen, insbesondere sehr starke Trinker*innen, f\u00fcr Ratschl\u00e4ge zur \u00c4nderung ihres Trinkverhaltens empf\u00e4nglich sind. Dies ist zum Teil auf mangelndes Vertrauen in die Wirksamkeit psychologischer Therapien bei \u00fcberm\u00e4ssigem Alkoholkonsum zur\u00fcckzuf\u00fchren, aber auch darauf, dass die Allgemeinmediziner*innen bef\u00fcrchten, dass sie die Patientinnen und Patienten beleidigen k\u00f6nnten, wenn sie das Thema Alkoholkonsum \u00fcberhaupt erst ansprechen.<\/p>\n<p>Weniger Forschung untersuchte die Perspektive der Patientinnen und Patienten zu diesen Fragen. Studien berichten, dass die meisten Menschen es f\u00fcr akzeptabel halten, dass Haus\u00e4rztinnen und Haus\u00e4rzte oder Krankenpfleger*innen nach ihrem Alkoholkonsum fragen und dass sie solche Ratschl\u00e4ge zur Lebensf\u00fchrung als wertvollen Bestandteil der Gesundheitsf\u00fcrsorge betrachten. Dies insbesondere f\u00fcr Menschen mit Grunderkrankungen und\/oder alkoholbedingten Gesundheitsproblemen. Wie einige \u00c4rztinnen und \u00c4rzte sind sich jedoch auch Patient*innen weniger sicher, dass stark trinkende Personen offen daf\u00fcr w\u00e4ren, mit Kliniker*innen \u00fcber ihren Alkoholkonsum zu sprechen, <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1186\/s12889-018-5275-2\">zumindest nicht wahrheitsgem\u00e4ss<\/a>. Die gr\u00f6ssere Herausforderung besteht jedoch darin, dass viele Patient*innen ein begrenztes Bewusstsein \u00fcber ihren eigenen Alkoholkonsum zeigen. Das liegt zum Teil daran, dass es ziemlich schwierig ist zu berechnen, wie viel Alkohol tats\u00e4chlich in diesem Glas Wein oder Gin and Tonic enthalten ist und es kann leicht passieren, dass man den \u00dcberblick verliert, wenn man zu Hause Getr\u00e4nke ohne standardisierte Masse einschenkt.<\/p>\n<p>Es liegt aber auch daran, dass f\u00fcr viele von uns der Alkoholkonsum nicht in jener Hinsicht gesehen wird, wie sehr er das Risiko f\u00fcr bestimmte Krankheiten und Leiden erh\u00f6ht (d.h. wie Kliniker*innen, \u00c4rzt*innen im Gesundheitswesen oder Epidemiolog*innen das Trinken sehen), sondern vielmehr in jener Hinsicht, welche zentrale Rolle er f\u00fcr Spass, Vergn\u00fcgen und das Feiern spielt. Das bedeutet, dass einige Patient*innen vielleicht nur ungern erkennen, dass sie zu viel trinken und\/oder sich fragen, warum ihre medizinische Betreuungsperson von ihnen verlangt weniger zu trinken. Im Zusammenhang mit diesem Thema berichten uns Patient*innen, dass sie bereits <a href=\"https:\/\/bmcfampract.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s12875-020-01142-9\">eine Reihe von Strategien<\/a> zur Einschr\u00e4nkung ihres Alkoholkonsums anwenden, diese aber auf &#8220;Lebenserfahrungen&#8221; basieren, die sie von ihren eigenen Familien, Freund*innen und sozialen Gruppen gelernt haben. Auch hier sehen einige Patient*innen nur einen begrenzten Nutzen in den Ratschl\u00e4gen, die Haus\u00e4rztinnen und Haus\u00e4rzte oder Krankenpfleger*innen zum Thema Alkoholkonsum geben und die vom realen Leben losgel\u00f6st erscheinen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Praktische Empfehlungen <\/strong><\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir also all diese Ansichten, Wahrnehmungen und Erfahrungen nutzen, um die Umsetzung der Alkoholkurzberatung in der medizinischen Grundversorgung zu verbessern?<\/p>\n<ul>\n<li>Seien Sie zun\u00e4chst versichert, dass es in Ordnung ist nach dem Trinkverhalten zu fragen. Es gibt kaum Anzeichen daf\u00fcr, dass Patient*innen beleidigt sind, wenn Sie nach ihren Trinkgewohnheiten fragen.<\/li>\n<li>Stellen Sie sicher, dass Sie Fragen zum &#8220;Wie&#8221; und &#8220;Warum&#8221; stellen, wenn Patient*innen tats\u00e4chlich trinken und nicht nur zum &#8220;Wie viel&#8221;. Dies wird die Relevanz und Bedeutung jedes Ratschlags erh\u00f6hen, welchen Sie geben, indem Sie die sozialen und kulturellen Werte anerkennen, die das Trinken der Patient*innen pr\u00e4gen.<\/li>\n<li>Als n\u00e4chstes sollten Sie den Patient*innen helfen auf der Grundlage dessen, was sie Ihnen \u00fcber die Situationen, in denen sie am ehesten viel trinken, erz\u00e4hlen, Pr\u00e4ventionsstrategien zu entwickeln. Diese Strategien sollten speziell auf diese kritischen Risikomomente ausgerichtet sein. Richten Sie diese Strategien wenn m\u00f6glich auf die Arten von Taktiken aus, die viele Patient*innen bereits als durchf\u00fchrbar und wirksam ansehen. Zum Beispiel durch die Einschr\u00e4nkung des Alkoholkonsums in bestimmten Umfeldern, z.B. zu Hause oder in bestimmten sozialen Gruppen, z.B. in Anwesenheit von Kindern.<\/li>\n<li>Da die Zeit in Kliniken immer begrenzt ist, sollten Sie sich darauf konzentrieren denjenigen Patient*innen eine kurze Alkoholberatung anzubieten, bei denen ein erkennbarer Zusammenhang mit starkem Alkoholkonsum besteht, wie z.B. bei Bluthochdruck, psychischen Erkrankungen oder Magenproblemen. Dies wird dazu beitragen, den Einsatz wertvoller Ressourcen gezielter zu gestalten und k\u00f6nnte auch f\u00fcr die Patientinnen und Patienten selbst akzeptabler und ansprechender sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>[\u00dcbersetzt von Dr. Janina L\u00fcscher &amp; Sabrina Bigger]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>By Amy O\u2019Donnell, Newcastle University, UK Levels of drinking have fallen recently in some parts of Europe, particularly amongst young people. However, excessive alcohol consumption remains a major risk factor for poor health and early death. 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