{"id":1572,"date":"2019-12-16T15:55:17","date_gmt":"2019-12-16T15:55:17","guid":{"rendered":"http:\/\/practicalhealthpsychology.com\/?p=1572"},"modified":"2025-11-04T14:23:12","modified_gmt":"2025-11-04T14:23:12","slug":"becoming-your-better-self-as-reason-for-changing-behavior","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/2019\/12\/becoming-your-better-self-as-reason-for-changing-behavior\/","title":{"rendered":"Dein besseres Selbst werden als Grund f\u00fcr Verhaltens\u00e4nderung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Winifred Gebhardt, Universit\u00e4t Leiden, Niederlande<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Vor neun Jahren wurde ich \u00fcber Nacht zum Vegetarier. In einem Roman, den ich las, erkl\u00e4rte die Hauptfigur, dass sie nichts essen k\u00f6nne &#8220;in dem einmal ein Herz geschlagen hatte&#8221;. Wie ein Blitz drangen diese Worte in mein Bewusstsein. Ich erkannte, dass dies genau das war, was ich f\u00fchlte. Ich habe sofort aufgeh\u00f6rt, Fleisch und Fisch zu essen und ich hatte seitdem keine Probleme, mich an diese neue Ern\u00e4hrung zu halten. Das neue Verhalten passte perfekt zum &#8220;Menschen, der ich bin&#8221;.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Umgekehrt bin ich in der Vergangenheit regelm\u00e4ssig gejoggt und konnte leicht sieben Kilometer laufen. Ich habe mich jedoch nie als &#8220;sportliche Person&#8221; betrachtet und wenn ein Hindernis wie z.B. eine Krankheit auftrat, bin ich in eine Couchpotato zur\u00fcckgefallen. Ich versuche jetzt nicht mehr &#8220;sportlich&#8221; zu sein, aber ich versuche tags\u00fcber wann immer m\u00f6glich zu gehen. Ich betrachte mich als &#8220;aktive Person&#8221;.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><b>Unser Handeln spiegelt unser Selbst\u00a0<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mein Verhalten &#8220;keine Tiere zu essen&#8221; entspricht meinem Selbstbild. Ein Vegetarier zu sein und mich so zu verhalten, gibt mir eine positive Sicht auf mein &#8220;Selbst&#8221; als f\u00fcrsorglicher, r\u00fccksichtsvoller Mensch, der Tiere liebt. Jedes Mal, wenn ich \u00fcber diese Wahl spreche oder ein Gericht mit Fleisch ablehne, wird mein &#8220;Selbst&#8221; <\/span><a href=\"http:\/\/www.southampton.ac.uk\/~crsi\/Sedikides_Strube.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">best\u00e4tigt<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zu wissen, dass wir unser Handeln als Teil dessen verstehen, wer wir sind, und dass wir uns selber gut m\u00f6gen wollen, ist ein \u00e4usserst n\u00fctzlicher Ausgangspunkt f\u00fcr Gesundheitsinterventionen. Zum Beispiel kann die Suche nach positiven Selbstwahrnehmungen, die sich aus unserem ungesunden Verhalten ergeben (z.B. ziemlich viel Wein w\u00e4hrend dem Essen zu trinken, da ich mich f\u00fcr jemanden halte, der das gute Leben geniesst) durch anderes, weniger sch\u00e4dliches oder sogar gesundes Verhalten bedient werden (z.B. das Trinken einer alkoholfreien Alternative, die immer noch einen entspannten Lebensstil widerspiegelt). Der Schl\u00fcssel zur Ver\u00e4nderung liegt dann darin, unser Handeln f\u00fcr die Art von Person relevant zu machen, als die wir uns tats\u00e4chlich betrachten. Diese so genannte <\/span><a href=\"https:\/\/selfdeterminationtheory.org\/SDT\/documents\/2000_RyanDeci_SDT.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">integrierte Motivation zur Ver\u00e4nderung ist nach der Theorie der Selbstbestimmung<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> diejenige, die der reinen intrinsischen Motivation am n\u00e4chsten kommt, bei der wir ein Verhalten aus Freude daran ausf\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p><b>Teil unseres Selbst lebt in der Zukunft\u00a0<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wir Menschen sind ausgezeichnete Zeitreisende und <\/span><a href=\"http:\/\/www.prioritymanagement.nl\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/KILLINGSWORTH-GILBERT-2010.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">verbringen fast die H\u00e4lfte unserer Zeit damit, \u00fcber die Zukunft zu fantasieren<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. Darin generieren wir eine Vielzahl von M\u00f6glichkeiten f\u00fcr uns selbst in der Zukunft; Optionen, die als <\/span><a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/232565363_Possible_Selves\"><span style=\"font-weight: 400;\">&#8220;M\u00f6gliche Selbst&#8221;<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> bezeichnet werden. <\/span><a href=\"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/2017\/05\/harnessing-your-imagination-using-the-power-of-mental-imagery-to-change-health-behaviour\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Sie lenken unsere Vorstellungen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> und erh\u00f6hen unsere Bereitschaft f\u00fcr zielorientierte Gelegenheiten. So erh\u00f6ht beispielsweise ein <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">zuk\u00fcnftiges Selbst<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> als &#8220;Nichtraucher\/-in&#8221; stark die Absicht, Versuche und Erfolg eines Rauchstopps. <\/span><a href=\"https:\/\/core.ac.uk\/download\/pdf\/34662131.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">Raucherinnen und Raucher m\u00fcssen sich daher als &#8220;zuk\u00fcnftige Nichtraucher\/-innen&#8221; vorstellen k\u00f6nnen, bevor sie tats\u00e4chlich aufh\u00f6ren k\u00f6nnen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. Meine Kollegin Eline Meijer und ich f\u00fchren derzeit Studien durch, in denen sich Raucherinnen und Raucher vorstellen, welcher Typ Person sie werden, falls sie mit dem Rauchen aufh\u00f6ren, und falls sie weiterhin rauchen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schreiben \u00fcber diese Vorstellungen und stellen Bilder\/Fotos her, die sie mit ihnen in Verbindung bringen. Die Intervention erzeugt Vorstellungen wie: Wenn ich aufh\u00f6re, werde ich &#8220;eine starke, kluge Frau mit Charakter&#8221; oder &#8220;ein ausgeglichenerer, sorgenfreier Vater und Liebhaber&#8221;, und umgekehrt: Wenn ich weiter rauche, werde ich &#8220;eine hustende, keuchende und erb\u00e4rmliche alte Frau&#8221; oder &#8220;ein asozialer, stinkender, schwacher Mann mit Schmerzen&#8221;. Ein erstes auff\u00e4lliges Ergebnis ist, dass die meisten erstellten Bilder\/Fotos symbolischer Natur sind und keine rauchenden Personen oder Produkte enthalten. Schriftliche Assoziationen mit den Bildern beinhalten: &#8220;sorgenfrei&#8221;, &#8220;vollst\u00e4ndig&#8221; und &#8220;bestimmt&#8221; versus &#8220;wertlos&#8221;, &#8220;depressiv&#8221; und &#8220;hoffnungslos&#8221;. Wir m\u00fcssen noch untersuchen, ob die Intervention das Verhalten \u00e4ndert, aber wir vermuten, dass es hilfreich ist diese &#8220;Selbstbilder&#8221; bei Bedarf, z.B. bei starkem Verlangen, leicht zug\u00e4nglich zu haben um auf Kurs zu bleiben. Belege f\u00fcr die Wirksamkeit solcher Interventionen mit vorgestellten zuk\u00fcnftigen Selbst gibt es bereits f\u00fcr andere <\/span><a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/17385955\"><span style=\"font-weight: 400;\">Gesundheitsverhaltensweisen wie z.B. k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">.<\/span><\/p>\n<p><b>Wir bl\u00fchen auf in Gruppen, zu denen wir uns zugeh\u00f6rig f\u00fchlen<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im t\u00e4glichen Leben kann es in sozialen Situationen besonders schwierig sein, dem Verlangen oder der Versuchung zu widerstehen. Bei einem Rauchstopp bef\u00fcrchtest du vielleicht soziale Ablehnung, wenn du dich nicht mehr gleich wie deine Freunde und Verwandten verh\u00e4ltst. Du k\u00f6nntest auch gesch\u00e4tzte gemeinsame Aktivit\u00e4ten verpassen. Viele unserer Selbstwahrnehmungen basieren auf den sozialen Gruppen, denen wir angeh\u00f6ren. Zum Beispiel schliessen sich die <\/span><a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/17385955\"><span style=\"font-weight: 400;\">meisten Menschen, die rauchen oder Drogen konsumieren, mit Menschen zusammen, die auch die gleiche Substanz konsumieren<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. Substanzgebrauch\u00a0 ist ein zentrales Normverhalten, das definiert &#8220;Teil der Gruppe zu sein&#8221;. Dies wiederum ist mit allen m\u00f6glichen anderen gesch\u00e4tzten Eigenschaften verbunden. Zum Beispiel k\u00f6nnen <\/span><a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/16066359.2018.1493462\"><span style=\"font-weight: 400;\">Jugendliche nach der Reha<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> feststellen, dass ihre &#8220;Cannabis konsumierenden\u201c Freunde immer noch die Menschen sind, die &#8220;am besten zu ihnen passen&#8221;, auch wenn sie selbst nun clean sind. Andere Personen, die kein Cannabis konsumieren, werden schnell als weniger unterst\u00fctzend f\u00fcr ihre pers\u00f6nlichen Werte angesehen, sind langweiliger oder haben keinen eigenen &#8220;Verstand, Loyalit\u00e4t und Reifegrad&#8221;. Dies zeigt, dass die Herausforderung ein gesch\u00e4tztes Mitglied der eigenen sozialen Gruppe zu bleiben, ganz oben auf unserem Programm stehen sollte, wenn es darum geht, einen gesunden Lebensstil zu unterst\u00fctzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Um also einen dauerhaften Wandel herbeizuf\u00fchren, m\u00fcssen Personen positive Selbstdarstellungen entwickeln, in denen sie sehen k\u00f6nnen, wie ihr zuk\u00fcnftiges Selbst das neue gesunde Verhalten vollbringt, welches sowohl im Einklang mit ihren eigenen wichtigen Werten als auch mit ihrem sozialen Umfeld steht.<\/span><\/p>\n<p><b>Praktische Empfehlungen\u00a0<\/b><\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"font-weight: 400;\"> Verhalten hat eine direkte Bedeutung f\u00fcr die Erfahrung und die Vorstellung von sich selbst. Ermutigen Sie Personen kreativ dar\u00fcber nachzudenken, wen sie werden k\u00f6nnen, indem Sie beispielsweise ein Moodboard f\u00fcr ihr ideales und gef\u00fcrchtetes zuk\u00fcnftiges Selbst erstellen.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-weight: 400;\"> Finden Sie Wege wie Selbstsichten, die mit dem neuen Verhalten verbunden sind, in kritischen Momenten wie dem Verlangen oder der Versuchungen abgerufen werden k\u00f6nnen. Bringen Sie beispielsweise die selbst generierten Moodboards auf den Startbildschirm eines PCs oder Smartphones an, um daran zu erinnern, warum man sich wirklich \u00e4ndern m\u00f6chte.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-weight: 400;\"> Helfen Sie Menschen, ihr neues Verhalten in den von ihnen gesch\u00e4tzten sozialen Kontext einzubinden, z.B. durch \u00dcben von akzeptablen M\u00f6glichkeiten von der Gruppennorm abzuweichen. Wenn einem zum Beispiel Alkohol angeboten wird, k\u00f6nnte dies ein h\u00f6fliches &#8220;Ich sch\u00e4tze es wirklich, aber nein danke (ich hatte meinen Anteil f\u00fcr heute)&#8221; oder die gemeinsame Verbundenheit: &#8220;Wow, du passt immer auf mich auf, so ein guter Freund bist du. Wie geht es dir in letzter Zeit?&#8221; beinhalten.\u00a0<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00dcbersetzt von: Dr. Corina Berli, Sabrina Bigger<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>By Winifred Gebhardt, Leiden University, The Netherlands About nine years ago, I became a vegetarian overnight. 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