{"id":1299,"date":"2019-05-29T17:21:29","date_gmt":"2019-05-29T17:21:29","guid":{"rendered":"http:\/\/practicalhealthpsychology.com\/?p=1299"},"modified":"2026-03-27T07:50:48","modified_gmt":"2026-03-27T07:50:48","slug":"telling-stories-about-caring-for-others","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/2019\/05\/telling-stories-about-caring-for-others\/","title":{"rendered":"Geschichten erz\u00e4hlen \u00fcber die Betreuung anderer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Irina Todorova, Health Psychology Research Center in Sofia, Bulgarien<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Betreuung \u00e4lter werdenden Angeh\u00f6rigen, die sich vielleicht in gebrechlicher Verfassung befinden, kann eine komplizierte und verwirrende Erfahrung sein, die sowohl erfreulich als auch frustrierend sein kann. Die medizinische Wissenschaft hilft den Menschen, l\u00e4nger und ges\u00fcnder zu leben und kann in einigen F\u00e4llen den kognitiven R\u00fcckgang, der h\u00e4ufig mit dem Alter auftritt, verlangsamen. Die Art und Weise, wie Familien ihre \u00e4lteren Angeh\u00f6rigen pflegen, sowie die Bedeutung von Altern, Demenz und Pflege variiert je nach <a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/full\/10.1177\/1359105313519155\">kulturellem Kontext<\/a>. Die meisten Menschen altern zu Hause als Mitglieder ihrer Gemeinschaften, was sowohl f\u00fcr die \u00e4lteren Menschen als auch f\u00fcr die verschiedenen Generationen von Familienmitgliedern psychosoziale Vorteile hat. Gleichzeitig geht die Pflege von Menschen mit abnehmender Gesundheit mit k\u00f6rperlicher Anstrengung, psychischer Belastung, Trauer \u00fcber anhaltende Verluste und m\u00f6glicherweise finanziellen Schwierigkeiten f\u00fcr die Betreuungsperson einher.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/abs\/10.1177\/1359105314566616\"><strong>narrative Gesundheitspsychologie<\/strong><\/a> zielt darauf ab, die gelebten Erfahrungen und Bedeutungen der Personen in ihrem Alltagskontext durch das Erz\u00e4hlen von Geschichten zu verstehen. Insbesondere um Gesundheit und Krankheit und damit verbundene Identit\u00e4tsver\u00e4nderungen zu begreifen. Durch Erz\u00e4hlungen k\u00f6nnen Personen unerwartete &#8220;<a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/pdf\/10.1111\/1467-9566.ep11339939\">biographische Br\u00fcche<\/a>&#8221; erkennen und Verbindungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie Kontinuit\u00e4t im ver\u00e4nderten Selbst und in Beziehungen herstellen. Indem Personen einzelne Ereignisse zu einer zusammenh\u00e4ngenden Geschichte verbinden, schaffen sie Erkl\u00e4rungen daf\u00fcr, was passiert ist, was dies bedeutet und wer man jetzt geworden ist. Wie wir in <a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/pdf\/10.1177\/2333393616668634\">unserer Forschung in Bezug auf die Pflege<\/a> auch gesehen haben, erm\u00f6glichen solche Erz\u00e4hlungen den Betreuungspersonen, einen Sinn darin zu erkennen, wie ihre Beziehung zu ihrem\/ihrer Angeh\u00f6rigen mit der Zeit neu definiert wird. Die narrative Gesundheitspsychologie betont, dass Geschichten <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.1080\/17437199.2010.543385\">mehrere Ebenen<\/a> haben, wie z.B. pers\u00f6nliche, soziale und kulturelle, welche gesundheitliche Unterschiede aufzeigen k\u00f6nnen. Die Erz\u00e4hlungen von Patienten und Patientinnen und ihren formellen und informellen Betreuungspersonen werden auch in der <a href=\"https:\/\/www.narrativemedicine.org\/about-narrative-medicine\/\">Medizin<\/a>, einschlie\u00dflich der medizinischen Praxis und der medizinischen Ausbildung, hervorgehoben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Betreuung der Pflegekr\u00e4fte: <\/strong>Forscher_innen und Praktiker_innen haben sich daf\u00fcr interessiert, wie Betreuungspersonen unterst\u00fctzt werden k\u00f6nnen. Evaluationsstudien haben gezeigt, dass verschiedene Ans\u00e4tze hilfreich sein k\u00f6nnen. Diese k\u00f6nnen in folgende Gruppen zusammengefasst werden:<\/p>\n<ul>\n<li><em>Bildung und Training &#8211; <\/em>Erweiterung des Wissens \u00fcber Altern und Demenz, deren Stadien und Symptome;<\/li>\n<li><em>Soziale Unterst\u00fctzung &#8211; <\/em>bereitgestellt von Peers in Selbsthilfegruppen oder Online-Formaten sowie von Familie und Freunden;<\/li>\n<li><em>Bedenkzeit &#8211; <\/em>Soziale Netzwerke oder Organisationen k\u00f6nnen eine Pause von der Pflege bieten, um die Ersch\u00f6pfung der Betreuungsperson zu lindern;<\/li>\n<li><em>Gesundheitsf\u00f6rderndes Verhalten <\/em>der Betreuungsperson, wie z.B. k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t, Stressabbau-Praktiken und -aktivit\u00e4ten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir m\u00fcssen auch betonen, dass es wichtig ist, sich f\u00fcr eine Politik zur Unterst\u00fctzung informeller Betreuungspersonen, Patienten und Patientinnen und ihrer Familien einzusetzen. So hat beispielsweise die Massachusetts Legislative als Reaktion auf Anregungen von Familien und Angeh\u00f6rigen der Gesundheitsberufe, die von der lokalen Alzheimer-Vereinigung bef\u00fcrwortet wurden, erst k\u00fcrzlich das <a href=\"https:\/\/www.alzmassnh.org\/advocacy\/massachusetts\/bill-h4116\/\">Mass Alzheimer&#8217;s and Dementia Act<\/a> verabschiedet. Diese Gesetzgebung wird die Ausbildung von Gesundheitsdienstleistenden zur Diagnose und Betreuung von Demenzkranken und Familien unterst\u00fctzen, eine angemessene Benachrichtigung \u00fcber die Diagnose erm\u00f6glichen und eine angemessene Akutversorgung und den Schutz vor Missbrauch gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Narrative Gesundheitspraxis<\/strong>: Narrative Praktiken sind personenzentriert, dialogisch und eingebettet in die kulturellen und strukturellen Kontexte, in denen sich die Pflege abspielt.\u00a0 <a href=\"https:\/\/jamanetwork.com\/journals\/jama\/fullarticle\/194300\">Die Erz\u00e4hlpraxis der Pflegekr\u00e4fte<\/a> hilft bei der eigenen Bedeutungsbildung und erh\u00f6ht auch ihre &#8220;Erz\u00e4hlkompetenz&#8221; &#8211; zuzuh\u00f6ren und auf die Geschichten und Erfahrungen der Person, die sie pflegen, eingestimmt zu sein.<\/p>\n<p>Eine Schlussfolgerung aus <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/full\/10.1034\/j.1600-0579.2003.00210.x\">Metaanalysen von Interventionen<\/a> zur F\u00f6rderung des Wohlbefindens der Betreuungspersonen ist, dass diese am effektivsten sind, wenn sowohl die Betreuungspersonen als auch die Patienten und Patientinnen beteiligt sind. Es gibt mehrere Beispiele f\u00fcr Erz\u00e4hlprogramme, die in Alters- und Pflegeheimen eingef\u00fchrt wurden (z.B. &#8220;<a href=\"https:\/\/www.dementiauk.org\/for-professionals\/free-resources\/life-story-work\/\">Lebensgeschichte Arbeit<\/a>&#8221; und &#8220;Erinnerungsarbeit&#8221;). Obwohl sich die meisten von ihnen auf \u00e4ltere Menschen konzentrieren, sind einige von ihnen als kollaborative und gemeinsame Storytelling-Praktiken organisiert, zu denen auch Familien- und informelle Betreuungspersonen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Pflege kann f\u00fcr informelle Betreuungspersonen eine anstrengende Situation sein, und sie wird durch Geschichten gelebt, die Ersch\u00f6pfung und Trauer miteinander verkn\u00fcpfen und dazu dienen, die Beziehungen zu ihren Angeh\u00f6rigen zu vertiefen. Die Unterst\u00fctzung von Betreuungspersonen, ihre eigenen Geschichten anzunehmen, kann dazu beitragen, ein neues Gef\u00fchl f\u00fcr Sinn und Zweck zu erlangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus narrativer Praxisperspektive bieten wir die folgenden Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Praktiker und Praktikerinnen zur Umsetzung an, die von den Betreuungspersonen selbst bei ihren t\u00e4glichen Pflegehandlungen ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Praktische Empfehlungen<\/p>\n<ul>\n<li>Ermutigen Sie (informelle) Betreuungspersonen, ihre Geschichten \u00fcber das Pflegen und die sich \u00e4ndernde Beziehung zu ihren Angeh\u00f6rigen zu erz\u00e4hlen. Stellen Sie offene Fragen (&#8220;erz\u00e4hlen Sie von einer Zeit, in der &#8230;&#8221;), h\u00f6ren Sie mit Empathie zu und ermutigen Sie die Betreuungspersonen, mit Freunden zu sprechen oder sich Peer-Support-Gruppen anzuschlie\u00dfen, in denen Geschichten ausgetauscht werden.<\/li>\n<li>Ermutigen Sie die Betreuungspersonen, Tagebuch zu schreiben und Literatur und Poesie zu lesen und zu reflektieren. Das Nachdenken \u00fcber diese Geschichten ist f\u00fcr die Betreuungspersonen eine hilfreiche M\u00f6glichkeit, das, was in ihrem Leben geschieht, zu verstehen. Dies kann der Gesundheit <a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/pdf\/10.1177\/2055102918760042\">auf verschiedene Weise zugutekommen<\/a>.<\/li>\n<li>Erkennen Sie an, dass die Geschichten der Betreuungspersonen in Beziehung zueinanderstehen, und schlagen Sie vor, dass die Betreuungspersonen und die Personen, die sie pflegen, Zeit investieren, um gemeinsam \u00fcber ihre gemeinsame Vergangenheit und Gegenwart zu sprechen. Geben Sie den Betreuungspersonen Ideen, wie sie Erinnerungen zusammen mit der zu pflegenden Person hervorrufen und verbinden k\u00f6nnen (z.B. durch das Betrachten alter Fotos, Objekte, die gemeinsame Erinnerungen verk\u00f6rpern, die Herstellung von Erinnerungsboxen und Collagen).<\/li>\n<li>Diese Storytelling-Praktiken ben\u00f6tigen Zeit f\u00fcr die Umsetzung und werden m\u00f6glicherweise nicht von allen Betreuungspersonen akzeptiert. Sie sollten daher einf\u00fchlsam und vorsichtig diskutiert werden. Da die Geschichten mehrere Emotionen hervorrufen k\u00f6nnen, k\u00f6nnen die Praktiken des Geschichtenerz\u00e4hlens auch in kurzen Sitzungen durchgef\u00fchrt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[\u00fcbersetzt von Dr. Janina L\u00fcscher &amp; Laila Susin]<\/p>\n<p><u>\u00a0<\/u><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>By Irina Todorova, Health Psychology Research Center in Sofia, Bulgaria Taking care of aging loved ones, who are perhaps in frail health, can be a complicated and confusing experience that is both gratifying and frustrating. 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