{"id":5019,"date":"2026-06-21T23:55:56","date_gmt":"2026-06-21T23:55:56","guid":{"rendered":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/?post_type=module&#038;p=5019"},"modified":"2026-09-10T09:20:16","modified_gmt":"2026-09-10T09:20:16","slug":"module-5","status":"publish","type":"module","link":"https:\/\/practicalhealthpsychology.com\/de\/module\/module-5\/","title":{"rendered":"Einsatz der Verhaltenswissenschaft zur Unterst\u00fctzung der Diagnostik und Behandlung von COVID-19 in Hochrisikogruppen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Tracy Epton, University of Manchester, UK, Lisa Marie Warner, MSB Medical School Berlin, Deutschland, und Aleksandra Lazic, unabh\u00e4ngige Wissenschaftlerin aus Belgrad, Serbien<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mit Hochrisikopatient:innen f\u00fcr COVID<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2011<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">19 zu arbeiten, kann sich anf\u00fchlen, als w\u00fcrden mehrere Konversationen gleichzeitig laufen. Einerseits gibt es die klinischen Informationen, die wir vermitteln m\u00fcssen. Andererseits bringen Menschen ihre eigenen Perspektiven mit: kulturell gepr\u00e4gte \u00dcberzeugungen, Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem, Angst vor Stigmatisierung, widerspr\u00fcchliche Botschaften aus ihrem Umfeld und die Herausforderungen des Alltags. Verhaltenswissenschaft kann dabei helfen, diese verschiedenen Ebenen zu ordnen und den gesamten Kommunikationsprozess zugleich reibungsloser, empathischer und wirksamer zu gestalten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Eine Herausforderung beginnt bereits im Moment der Diagnose. Viele Behandelnde sorgen sich, sensible Informationen zu \u00fcbermitteln \u2013 besonders unter Zeitdruck oder wenn unklar ist, wie die Person reagieren wird. Gleichzeitig k\u00f6nnen Patient:innen Fehlinformationen mitbringen (\u201eDie Tests sind ungenau\u201c, \u201eCOVID ist doch nicht mehr schlimm\u201c) oder begegnen dem Gesundheitssystem aufgrund fr\u00fcherer Erfahrungen mit Misstrauen. Manche haben auch Angst davor, was eine Diagnose f\u00fcr Arbeit, Familie oder ihr Umfeld bedeutet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir in dieses Gespr\u00e4ch gehen, bewegen wir uns in einem sehr menschlichen Raum \u2013 nicht nur in einem medizinischen. Gespr\u00e4che \u00fcber Gesundheit k\u00f6nnen belastend sein: Menschen f\u00fchlen sich m\u00f6glicherweise beurteilt, sch\u00e4men sich oder sorgen sich, \u201efalsche\u201c Entscheidungen getroffen zu haben. In solchen Momenten reagieren sie eher defensiv: Sie bestreiten den Bedarf einer Behandlung, spielen die Schwere von COVID<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2011<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">19 herunter oder zweifeln an der Wirksamkeit m\u00f6glicher Therapien. In Schritt 1 der Empfehlungen finden Sie Ans\u00e4tze, wie Sie einen sicheren Rahmen schaffen, Fehlinformationen zu korrigieren und defensive Reaktionen zu reduzieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nach der Diagnose folgt die n\u00e4chste Herausforderung: Motivation. Sie entsteht nur selten allein durch die Vermittlung von Risikoinformationen. Viele Menschen mit erh\u00f6htem Risiko \u2013 vor allem, wenn sie nur leicht erkrankt sind oder gar keine Symptome haben \u2013 verstehen nicht, warum eine schnelle Behandlung n\u00f6tig ist. Andere zweifeln am Nutzen antiviraler Medikamente oder haben Sorgen bez\u00fcglich Nebenwirkungen. Manche sehen sich selbst nicht als \u201eHochrisikoperson\u201c oder haben religi\u00f6se oder kulturelle \u00dcberzeugungen zu Medikamenten, die Entscheidungen oft komplexer machen. Viele dieser Bedenken lassen sich jedoch mithilfe von Techniken der Verhaltens\u00e4nderung adressieren (siehe Schritt 2).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Selbst wenn Patient:innen sehr motiviert sind, k\u00f6nnen sie praktischen Hindernissen beim Beginn der Behandlung begegnen: Einnahmezeitpunkte werden vergessen, Anweisungen sind unklar oder andere Verpflichtungen (Familie, Arbeit) kommen dazwischen. Auch ein Gef\u00fchl der Besserung nach ein bis zwei Tagen kann dazu f\u00fchren, dass die Therapie zu fr\u00fch abgebrochen wird. Adh\u00e4renz ist nicht nur eine Frage des Wollens \u2013 sondern auch, wie gut die Behandlung in den individuellen Alltag passt. Dies kann durch vorausschauende Planung gezielt unterst\u00fctzt werden (siehe Schritt 3).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die bestm\u00f6gliche Unterst\u00fctzung von Hochrisikopatient:innen bei Diagnose und Behandlung gelingt, wenn verhaltenswissenschaftliche Ans\u00e4tze mit kultureller Sensibilit\u00e4t verkn\u00fcpft werden. Die folgenden Empfehlungen basieren daher auf beidem.<\/span><\/p>\n<p><b>Empfehlungen f\u00fcr die Praxis<\/b><\/p>\n<p><b>Schritt 1: Schaffen Sie bei der Mitteilung der Diagnose eine sichere, respektvolle Atmosph\u00e4re.<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Beginnen Sie damit, Anerkennung f\u00fcr die St\u00e4rken oder Werte der Patient:innen zu zeigen \u2013 das reduziert Abwehr und st\u00e4rkt die Beziehung. Eine Methode daf\u00fcr ist der sogenannte <\/span><a href=\"https:\/\/psycnet.apa.org\/doiLanding?doi=10.1037%2Fhea0000116\"><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eAffirmations\u201c-Ansatz<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">: Dabei werden Menschen kurz eingeladen, \u00fcber pers\u00f6nliche St\u00e4rken und wichtige Rollen nachzudenken (z.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u202f<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">B. als f\u00fcrsorgliche Partnerin\/Partner, Elternteil oder Kollegin\/Kollege), statt sich nur auf die Infektion zu fokussieren. Affirmationen k\u00f6nnen das Selbstwertgef\u00fchl f\u00f6rdern und die Wahrscheinlichkeit erh\u00f6hen, Diagnose und n\u00e4chste Behandlungsschritte anzunehmen. \u00c4u\u00dfern Patient:innen Fehlinformationen, korrigieren Sie sie gelassen mit einem \u201eFakten<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2011<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Sandwich\u201c: <\/span><a href=\"https:\/\/repository.essex.ac.uk\/29625\/1\/The%20COVID-19%20Vaccine%20Communication%20Handbook.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">Nennen Sie zun\u00e4chst den korrekten Fakt, sprechen Sie den Mythos kurz an, erkl\u00e4ren Sie, warum er nicht zutrifft, und kehren Sie anschlie\u00dfend zum Fakt zur\u00fcck.<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> Halten Sie Erkl\u00e4rungen einfach und <\/span><a href=\"https:\/\/connectsci.au\/pu\/article\/31\/1\/e3112105\/265288\/Communicating-COVID-19-health-information-to\"><span style=\"font-weight: 400;\">kulturell anschlussf\u00e4hig<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> \u2013 besonders bei Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz oder begrenzten Sprachkenntnissen.<\/span><\/p>\n<p><b>Schritt 2: Nutzen Sie klare, und ansprechende Kommunikationswerkzeuge, um Motivation zu f\u00f6rdern.<\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s11606-016-3685-3\"><span style=\"font-weight: 400;\">Techniken der Motivierenden Gespr\u00e4chsf\u00fchrung<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> (Motivational Interviewing) \u2013 offene Fragen, reflektierendes Zuh\u00f6ren und Best\u00e4tigung \u2013 helfen Menschen, eigene Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Behandlung zu finden. Das ist oft wirksamer als \u00dcberzeugungsversuche durch Andere. <\/span><a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0738399123001325?via%3Dihub\"><span style=\"font-weight: 400;\">Erz\u00e4hlungen (Narrative)<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, z.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u202f<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">B. eine kurze Geschichte \u00fcber die Erfahrung einer anderen Person, oder <\/span><a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/10.1177\/0018720817690634\"><span style=\"font-weight: 400;\">Visualisierungen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> wie Infografiken oder Illustrationen (etwa eine einfache Grafik zur Viruslast mit und ohne Therapie) k\u00f6nnen verdeutlichen, warum fr\u00fche Behandlung entscheidend ist und das Risiko einer Verschlechterung greifbarer machen. Zudem k\u00f6nnen Sie Patient:innen anregen, eigene Pro<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2011<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> und<\/span> <span style=\"font-weight: 400;\">Contra<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2011<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Argumente abzuw\u00e4gen \u2013 <\/span><a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/abm\/article-abstract\/46\/1\/81\/4563254?redirectedFrom=fulltext\"><span style=\"font-weight: 400;\">nicht nur f\u00fcr die eigene Gesundheit, sondern auch f\u00fcr das soziale Umfeld<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> (z.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u202f<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">B. f\u00fcr die Familie da sein, Beziehungen aufrechterhalten). Gerade bei \u00e4lteren Menschen wirken <\/span><a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/abs\/10.1177\/09637214211011468?casa_token=aEdlmPSHueUAAAAA%3ADdR-OMhh_KoihduLSQgSRLg39bB14Xez_e21OhmojPixdhyC3chyzPxDLM6davjBCxkSIYjHkFIt\"><span style=\"font-weight: 400;\">emotional bedeutsame, kurzfristige Vorteile<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> (z.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u202f<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">B. schnell wieder fit sein, um das Enkelkind zu sehen) oft \u00fcberzeugender als langfristige Gesundheitsziele (z.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u202f<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">B. Vermeidung von Risiken durch \u201eKrankheits<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2011<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Akkumulation\u201c).<\/span><\/p>\n<p><b>Schritt 3: Unterst\u00fctzen Sie die Adh\u00e4renz durch praktische Planung.<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Erarbeiten Sie gemeinsam einen konkreten <\/span><a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/10410236.2017.1331305\"><span style=\"font-weight: 400;\">Handlungsplan<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">: Wo wird das Medikament aufbewahrt, wann passt die Einnahme in den Tagesablauf, und welche Hinweisreize k\u00f6nnen daran erinnern? So wird Adh\u00e4renz handhabbarer und weniger abh\u00e4ngig vom Ged\u00e4chtnis. <\/span><a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/10463283.2024.2334563\"><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eWenn<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2011<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">dann<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2011<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Pl\u00e4ne\u201c<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> (\u201eWenn ich bei der Arbeit bin und es Zeit f\u00fcr eine Dosis ist, dann \u2026\u201c) helfen, die Behandlung auch bei wechselnden Alltagsroutinen aufrechtzuerhalten. Tablettenboxen, Wecker\/Alarme und visuelle Hinweise unterst\u00fctzen eine konsequente Einnahme.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie k\u00f6nnen Patient:innen au\u00dferdem beim Probleml\u00f6sen unterst\u00fctzen: Identifizieren Sie m\u00f6gliche H\u00fcrden bei der Einnahme und passende L\u00f6sungen schon im Voraus. Ermutigen Sie dazu, Unterst\u00fctzung im sozialen Umfeld zu suchen \u2013 oft sind Angeh\u00f6rige oder Freundinnen und Freunde dankbar, konkret helfen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">In erster Linie gilt: Kulturell sensible Versorgung ist in jeder Phase wichtig. Fragen nach \u00dcberzeugungen, famili\u00e4ren Rollen oder bevorzugter Sprache helfen, dass der Behandlungsplan als respektvoll und alltagstauglich erlebt wird. Wenn Beziehungsaufbau, motivationale Unterst\u00fctzung und praktische Planung zusammenkommen, k\u00f6nnen Gesundheitsfachkr\u00e4fte Behandlungsergebnisse verbessern und Ungleichheiten f\u00fcr die Menschen reduzieren, die es am dringendsten brauchen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00dcbersetzung von: Lisa Marie Warner &amp; Julia Gro\u00dfe<\/span><\/p>\n","protected":false},"featured_media":5172,"template":"","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","_uf_show_specific_survey":0,"_uf_disable_surveys":false},"class_list":["post-5019","module","type-module","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.5","language":"de","enabled_languages":["en","id","my","bg","zh","hr","cz","da","de","es","fr","gr","he","it","ja","kr","lv","lt","hu","nl","no","pl","pt","ro","ru","sk","sr","fi","et","sv","tr","uk","hi","sw","ta"],"languages":{"en":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"id":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"my":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"bg":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"zh":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"hr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"cz":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"da":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"es":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"fr":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"gr":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"he":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"it":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"ja":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"kr":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"lv":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"lt":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"hu":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"nl":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"no":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"pl":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"pt":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"ro":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"ru":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"sk":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"sr":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"fi":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"et":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"sv":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"tr":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"uk":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"hi":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"sw":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"ta":{"title":true,"content":true,"excerpt":false}}},"aioseo_notices":[],"aioseo_head":"\n\t\t<!-- All in One SEO 5.0.1.1 - aioseo.com -->\n\t<meta name=\"description\" content=\"{:en}By Tracy Epton, University of Manchester, UK, Lisa Marie Warner, MSB Medical School Berlin, Germany, and Aleksandra Lazic, an independent researcher from Belgrade, Serbia Working with high\u2011risk patients around COVID\u201119 can feel like navigating several conversations at once. 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