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Interventionen der Positiven Psychologie bei der Arbeit

Von Alexandra Michel, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Deutschland and Annekatrin Hoppe, Humboldt Universität zu Berlin, Deutschland

Angestellte Personen verbringen einen Großteil ihrer Wachzeit bei der Arbeit. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Reduzierung der Anforderungen und die Erhöhung der Ressourcen (z.B. Autonomie, soziale Unterstützung, Selbstwirksamkeit) am Arbeitsplatz wichtig sind, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Wohlbefinden und Gesundheit der Angestellten zu fördern. In den letzten Jahren hat die Forschung nicht nur Möglichkeiten zur Behebung der negativen Folgen von Arbeitsstress untersucht, sondern auch Möglichkeiten zur Förderung von Ressourcen zur Verbesserung des Wohlbefindens der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz. Insbesondere die Einführung positiver psychologischer Interventionen am Arbeitsplatz ist ein neuer Weg in der Arbeits- und Organisationspsychologie. Positive psychologische Interventionen konzentrieren sich auf den Aufbau von Ressourcen und die Vermeidung von Ressourcenverlust und umfassen Aktivitäten, die darauf abzielen, positive Gefühle, Verhaltensweisen und Kognitionen zu kultivieren. In diesem Blogbeitrag stellen wir drei Ansätze vor, die den Angestellten helfen können, ihre Ressourcen aufzubauen und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu fördern.

  1. Wie kann ich mehr positive Aspekte meiner Arbeit sehen, erleben und schätzen?

Kognitive Strategien wie optimistisches Denken und das Schätzen positiver Erfahrungen am Arbeitsplatz können Angestellten helfen, positive Emotionen zu erzeugen und sich besser zu fühlen. In unserer Interventionsstudie haben wir Pfleger und Pflegerinnen gebeten, über ein positives und bedeutungsvolles Ereignis nachzudenken, das sie bei der Arbeit erlebt haben. Dies kann eine positive Interaktion mit Patienten und Patientinnnen, ein nettes Gespräch mit einem Kollegen oder einer Kollegin oder ein Behandlungserfolg sein. Wir baten die Pfleger und Pflegerinnen, über dieses positive Ereignis nachzudenken und ihre positiven Erfahrungen zu genießen. Diese fünfminütige, audiounterstützte Übung wurde an zehn aufeinanderfolgenden Arbeitstagen wiederholt. Nach dem Interventionszeitraum hatten die Pfleger und Pflegerinnen in der Interventionsgruppe ein geringeres Maß an Müdigkeit und emotionaler Erschöpfung als die Pfleger und Pflegerinnen in der Kontrollgruppe. Vor allem Pflegekräfte mit hohem Erholungsbedarf, wie z.B. Energiemangel, profitierten von der positiven Denkweise.

  1. Wie kann ich während der Arbeit neue Energie gewinnen? Der Vorteil von Ruhepausen

Arbeitsanforderungen können die Energie der Angestellten belasten und zu geringerem Arbeitsengagement sowie zu Erschöpfung und Müdigkeit führen. Eine kurze Pause von der Arbeit ermöglicht es den Angestellten, ihre Aufmerksamkeit vorübergehend von den Arbeitsaufgaben abzuwenden, um neue Energie zu erhalten und aufzubauen. Wir haben zwei Kurzpausenaktivitäten entwickelt: Eine simulierte genussvolle Naturaktivität (z.B. das Hören von Naturgeräuschen wie Vogelgesang oder Wellen); und eine progressive Muskelentspannungsaktivität. Wir klassifizieren eine solch kurze Pause “als Mikrointervention”, die am Arbeitsplatz durchgeführt werden kann und die den Angestellten eine Pause von der Arbeit gibt, während die Aufmerksamkeit von den Arbeitsaufgaben ablenkt ist. In unserer Studie wurden die Angestellten zufällig entweder der Gruppe „genießerische Natur“ oder der Gruppe „progressive Muskelentspannung“ zugeordnet. Die Ergebnisse zeigen, dass diese beiden kurzen täglichen Ruhepausen, die leicht in den Arbeitsalltag eingeführt werden können, die Kraft der Angestellten erhöhen und ihre Müdigkeit über einen Zeitraum von zehn Arbeitstagen verringern.

  1. Wie kann ich von der Arbeit abschalten und eine gute Balance zwischen Berufs- und Privatleben finden?

Angestellte, die in ihrer Freizeit an arbeitsbezogene Themen denken und sich emotional damit beschäftigen, haben es oft schwer, sich von der Arbeit zu lösen oder geistig abzuschalten. Dies kann zu einer verminderten Work-Life-Balance führen. In Anlehnung an die Boundary-Theorie haben wir eine Intervention konzipiert, die es Angestellten ermöglicht, ihren individuellen Weg zu finden, beide Lebensbereiche zu integrieren oder zu trennen. Unsere Online-Intervention lehrt Achtsamkeit als kognitiv-emotionale Trennungsstrategie. Achtsamkeit beschreibt einen Zustand, in dem man sich den aktuellen Erfahrungen unvoreingenommen bewusst ist. In unserer Intervention reflektierten die Angestellten ihre Segmentierungsstrategien (d.h. Strategien, die Arbeit und Privatleben voneinander trennen sollen) und lernten achtsame Atemübungen, die ihnen helfen, sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren und unerwünschte arbeitsbezogene Erkenntnisse und Gefühle loszulassen. So konnten sich die Angestellten auf eine Tätigkeit in einem bestimmten Lebensbereich konzentrieren (z.B. Spielen mit Kindern zu Hause) und arbeitsbezogene Sorgen oder Bedenken vergessen. Unsere Studienergebnisse zeigen, dass die Angestellten der Interventionsgruppe im Vergleich zu einer Kontrollgruppe weniger emotionale Erschöpfung, negative Auswirkungen und belastungsbedingte Konflikte zwischen Familie und Beruf sowie mehr psychologische Distanz und Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance hatten.

Fazit

Interventionen zu positiver Arbeitsreflexion, Erholungspausen und Aufteilung von Lebensbereichen können den Angestellten helfen, Ressourcen aufzubauen und ihr Wohlbefinden zu verbessern. Für Unternehmen und deren Angestellte sehen wir die folgenden Vorteile: Diese Interventionsaktivitäten können in kurzen Pausen leicht in den Arbeitsalltag integriert oder abends in der Freizeit durchgeführt werden. Sie können berufsübergreifend eingesetzt und über Online-Plattformen, Smartphone-Apps oder auf Papier bereitgestellt werden. Unternehmen und Mitarbeitende müssen sich bewusst sein, dass vor allem bedürftige Mitarbeitende (z.B. hohe Arbeitsbelastung, emotional anspruchsvolle Arbeitsaufgaben) von diesen Maßnahmen profitieren und dass die langfristigen Auswirkungen dieser Maßnahmen noch nicht bekannt sind. Schließlich sind diese individuellen Maßnahmen nicht unbedingt ein Ersatz für umfassendere Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung (z.B. Arbeitsentlastung, Teambuilding-Workshops, Führungstrainings), die darauf abzielen, die Arbeitsbedingungen ganzheitlich zu verbessern.

Praktische Empfehlungen

  • Denken Sie in Ihrer Mittagspause oder am Ende des Arbeitstages an etwas, das bei der Arbeit gut gelaufen ist. Zum Beispiel: ein nettes Gespräch mit einem Kollegen/einer Kollegin, eine erfolgreiche Präsentation, eine Aufgabe, die Ihnen Spaß gemacht hat.
  • Planen Sie kurze Pausen während Ihres Arbeitstages ein – zum Loslassen und Energie aufladen. Benutzen Sie diese zum Entspannen, Meditieren oder Spazierengehen.
  • Versuchen Sie, nach der Arbeit abzuschalten. Kleine achtsame Atemübungen können Ihnen helfen, sich auf aktuelle Erfahrungen zu konzentrieren und unerwünschte Gedanken und Emotionen loszulassen.

[übersetzt von Dr. phil. Janina Lüscher und Laila Susin]

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